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Kräuterlikör aus Bad Homburg Samtbrauner Klassiker

Der Kräuterlikör Reichs Post Bitter lebt von seiner Geschichte. Ein Homburger Brüderpaar will den Klassiker von 1843 wieder beliebt machen. Im kommenden Jahr sollen erstmals zehntausend Liter des Hochprozentigen hergestellt werden.

Stefan Alles will den Bitter berühmt machen. Foto: Michael Schick

Fritz Scheller hat 1843 in seiner Weinbrennerei zwei namhafte Marken kreiert. Während Melita-Essig seit sieben Monaten vom Markt verschwunden ist, erfreut sich der Reichs Post Bitter nach wie vor ungebrochener Beliebtheit. Die Gebrüder Alles haben die Produktion des Kräuterlikörs vor dreizehn Jahren wieder zurück in die Heimatstadt geholt und den Ausbau der Marke kontinuierlich vorangetrieben.

Im kommenden Jahr sollen erstmals zehntausend Liter des samtbraunen 35-Prozentigen hergestellt werden. „Früher war der Bitter ein klassisches Wintergetränk, mittlerweile haben wir ihn ganzjährig etabliert“, sagt Stefan Alles, der gemeinsam mit Heike Jung die Geschäfte führt. Die Expansion in ferne Erdteile ist in vollem Gange. Gastwirte in Bangkok, Key West und Hawaii haben den Homburger Klassiker schon im Angebot – bald kann man ihn auch im Moskauer Bierkeller „Postmeister“ ordern. Heute haben ausgewählte Getränkehändler die Flaschen mit den auffallenden Etiketten im Sortiment.

Die einstmals lokale Marke sei jedem älteren Homburger ein Begriff, sagt Alles. Immerhin habe man es hier nicht mit einem Allerweltsgetränk zu tun – der Reichs Post Bitter lebt aus seiner Geschichte. Wie die Reichspost in den Namen kam, ist bislang ungeklärt. „Ich vermute, dass Fritz Scheller in seinem Gasthaus eine Poststation betrieben hat“, sagt Heike Jung. Der Bierbrauer und Branntweinbrenner aus Dornholzhausen – seine älteste Tochter Sophie begründete mit ihrem Mann Adam die Opel-Dynastie – verlegte 1853 die Produktion in die damals kaum bebaute Obere Promenade. Die entstandene Aktiengesellschaft wurde 1934 aufgelöst, der Betrieb aufgeteilt. Für die Spirituosen war fortan Heinrich Becker verantwortlich. Mehr als vierzig Sorten kamen in den Handel: Kakao-Likör, Weinbrand-Verschnitt oder „Feinster Pfeffermünz“. 2009 ist Stefan Alles in einem Keller auf einen Schrank voller alter Flakons, Destillate und Aufzeichnungen gestoßen. In dem Becker-Nachlass befinden sich auch Brennbücher mit handschriftlichen Rezepten – „eine wahre Fundgrube“.

Alfred Fackel kam 1968 in den Besitz der Rechte und produzierte in Niederhöchstadt. Dem alten Mann kauften die Werbespezialisten schließlich Name, Logo und das geheimnisvolle Rezept ab. „Uns war nur klar, dass die Traditionsmarke nach Bad Homburg zurück muss.“

Stefan Alles, 1963 in der Löwengasse geboren, ist Authentizität wichtiger als ein möglicher Rekordumsatz. Keinesfalls soll der Reichs Post Bitter als „anonymes Produkt“ im Supermarkt enden.

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