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Konferenz zum "Frankfurter Weg" Aufklärung statt Repression

Die Stadt Frankfurt gilt mit ihrem Kampf gegen Drogenkonsum als weltweites Vorbild. Bei einer Konferenz sollen Polizisten aus andern Ländern von den Frankfurter Erfahrungen lernen.

Entscheidungsträger aus 17 Ländern diskutieren in Frankfurt über den Kampf gegen Drogen und effektivere Polizeiarbeit. Foto: dpa

Die Stadt Frankfurt gilt mit ihrem Kampf gegen Drogenkonsum als weltweites Vorbild. Bei einer Konferenz sollen Polizisten aus andern Ländern von den Frankfurter Erfahrungen lernen.

Die richtige Balance zwischen Hilfe für Drogensüchtige und Repression: Darüber diskutieren Entscheidungsträger der Polizei aus 17 Ländern seit Donnerstag in Frankfurt. Die zweitägige „Internationale Konferenz über Drogenpolitik und Polizeiarbeit“ dient dem Austausch über Strategien. Eines steht ganz im Vordergrund: „The Frankfurt way“, wie es in der Tagungssprache Englisch an allen Ecken und Enden heißt – der „Frankfurter Weg“, Vorbild für Polizeiarbeit weltweit.

„Frankfurt ist Beispiel für andere Länder“, sagt Deanna Nollette von der Drogen-Einheit der Polizei in Seattle: „Darum sind wir hier.“ Der US-Bundesstaat Washington, in dem Nollette arbeitet, hat gerade die Legalisierung von Marihuana beschlossen. Ein extrem fortschrittlicher Ansatz in den USA. Trotzdem könne sie in Frankfurt viel lernen, betonte sie.

5000 drogenabhängige in Frankfurt

Was das ist, versuchte Michael Hallstein zu beschreiben, Leiter des Führungsstabs im Frankfurter Polizeipräsidium. Zehn Jahre lang war er beauftragt, die Taunusanlage von der Drogenszene zu befreien. Mit Erfolg, wie er sagt. „Zu den 10 000 Leuten, die wir dort kannten, kamen ja noch fünf Mal so viele dazu, die immer wieder mal auftauchten.“ Heute seien bei der Frankfurter Polizei etwa 5000 Personen als drogenabhängig erfasst – und etwa 5000 Personen als Konsumenten bei der Drogenhilfe. Inwieweit die Gruppen sich überschneiden, ist offiziell unbekannt, weil die Daten anonymisiert werden. Fest steht, sagt Hallstein: „Beschaffungskriminalität, Wohnungseinbruch, Raub, das ist seit 1992 rapide nach unten gegangen.“

Wie schafft der „Frankfurter Weg“ das? Durch Kooperation der Polizei mit Drogensozialarbeit, Behörden und Politik. „1991 hatten wir in Frankfurt den traurigen Höchststand bei den Drogentoten zu verzeichnen“, blickte Innenminister Boris Rhein (CDU) zurück, der die Konferenz am Donnerstag eröffnete. „Eine neue Strategie war überfällig.“

Diese Strategie hatte viele Facetten der Hilfe für Abhängige. Und die Polizei, um deren Rolle es bei der Konferenz geht, sie hielt sich zurück – mit Unterstützung aller politischen Parteien, hebt Heino Stöver hervor, Fachhochschulprofessor und Wegbegleiter der Drogenpolitik seit vielen Jahren. Die Polizei bekämpfte schwere Drogenkriminalität und verhinderte offene Drogenszenen. Zugleich seien in der Stadt die meistbesuchten Drogenkonsumräume der Welt entstanden.

Die Polizei ist nicht der Feind

Also alles gut in Frankfurt? Natürlich nicht, das ist den Tagungsteilnehmer aus Indien, Brasilien, Polen, England und vielen anderen Ländern klar. Immer noch sterben in der Stadt Menschen an Drogen. Aber der Weg sei richtig, lobt Kasia Malinowska-Sempruch vom Global Drug Policy Program: „Wichtig ist, zu zeigen: Die Polizei ist nicht der Feind. Die Debatte über Drogenpolitik verschiebt sich gerade weltweit – wir haben die Chance, etwas zu gestalten.“

„Seit Al Capone wissen wir: Prohibition ist nicht der beste Weg“, sagt Polizist Hallstein. In Frankfurt gebe es keine Verfahren mehr gegen Junkies wegen Drogenbesitzes für den eigenen Bedarf. „Hat das Schaden ausgelöst? Aus meiner Sicht nicht.“ Und bei allem Lob: Auch Frankfurt könne noch viel lernen, sagt er. Wie die Niederlande etwa ohne große Gesetzgebungsverfahren mit Drogenproblemen umgingen: „Ausprobieren, und wenn’s nicht funktioniert, dann drehen wir es wieder zurück – das würde ich mir für uns auch häufiger wünschen.“

Die lokale Drogenpolitik habe aber da ihre Grenzen, wo sie der Weltwirtschaft unterliege, sind sich die Konferenzteilnehmer einig: Solange wir über sinkende Kaffeepreise jubeln, müssen wir uns nicht darüber wundern, dass der Farmer in Südamerika keinen Kaffee anbaut – sondern Kokain.

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