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Königstein Zukunftspläne für Hessens kleinste Klinik

Das Sankt-Josef-Krankenhaus soll eine Fachklinik für Geriatrie werden. Die Belegärzte müssen weichen.

Krankenhaus
Eigentlich zu klein, aber dank Spezialisierung wieder mit Zukunftschancen: das Königsteiner St.-Josef-Krankenhaus. Foto: Monika Müller

Kleine Kliniken sind von der großen Politik nicht mehr erwünscht. Das Sankt-Josef-Krankenhaus im Zentrum von Königstein ist mit seinen 45 Betten laut der Geschäftsführerin der Hochtaunuskliniken, Julia Hefty, derzeit Hessens kleinstes Krankenhaus. Dennoch gehen die Verantwortlichen von Kreis und Stadt davon aus, dass sie seine Existenz auch für die Zukunft sichern können.

Dazu soll Sankt Josef noch im kommenden Jahr in eine Fachklinik für Altersmedizin (Geriatrie) umgewandelt werden. Der entsprechende Antrag an das Land sei gestellt, teilten Landrat Ulrich Krebs und Bürgermeister Leonhard Helm (beide CDU) am Montag mit. Sie rechnen mit einer Genehmigung noch im ersten Halbjahr 2019. „Die Signale sind positiv“, sagte Krebs.

Weil das Sankt-Josef-Krankenhaus in der Vergangenheit hohe Verluste ausgewiesen hatte, waren die kreiseigenen Hochtaunuskliniken 2016 als Mehrheitseigner eingestiegen. Noch erwirtschafte das Krankenhaus ein Defizit von 800 000 Euro pro Jahr, räumt Julia Hefty ein. Doch die vor zwei Jahren eingerichtete Geriatrie-Station arbeite bereits kostendeckend. Die derzeit 20 Betten seien von Anfang an fast durchgängig belegt gewesen. Deshalb soll künftig eine zweite Geriatriestation mit 25 Betten eingerichtet werden. Hefty geht davon aus, dass auch diese gut ausgelastet sein wird. „Der Standort ist extrem nachgefragt. Wir haben eine Warteliste.“

Keine Zukunft haben hingegen die Betten für Belegärzte. Hier seien die Fallzahlen allein zwischen 2015 und 2017 von 1300 auf 700 gesunken, teilt der Geschäftsführer von St. Josef, Ulrich Lange, mit. Im vergangenen Jahr seien zwar durch den Wechsel einiger Ärzte aus dem geschlossenen Marienkrankenhaus in Flörsheim nach Königstein wieder ein paar mehr Patienten behandelt worden. Doch Lange sieht keine Möglichkeit, die Belegabteilungen wirtschaftlich betreiben zu können. „Viele Operationen werden inzwischen ambulant erbracht“, erklärt er. Und um schwerere Fälle behandeln zu können, fehle in Königstein die Intensivstation.

Die Hochtaunuskliniken hätten den Ärzten der Fachrichtungen Chirurgie, Orthopädie, Innere Medizin und Gastroenterologie das Angebot gemacht, an die beiden anderen Häuser in Bad Homburg und Usingen zu wechseln, sagte Julia Hefty.

Das gelte auch für die acht betroffenen Pflegekräfte. Sie hätten aber auch die Möglichkeit, in Königstein zu bleiben und künftig in der Geriatrie mitzuarbeiten. Für die neue Station würden insgesamt zehn zusätzliche Vollzeitkräfte in Pflege und Therapie benötigt.

Das neue Konzept sei „kein Abbau, sondern ein Umbau“, versichert Königsteins Rathauschef Leonhard Helm. Sankt Josef biete den Vorteil einer überschaubaren Struktur und eine wohnortnahe Versorgung. Das sei gerade für ältere Menschen enorm wichtig.

Der größte Teil der Patienten stamme tatsächlich aus dem näheren Umfeld. Das Einzugsgebiet reiche aber bis Mainz und Gießen, sagt Julia Hefty. Aktuell werden in der Geriatrie 300 Patienten pro Jahr behandelt. Künftig sollen es doppelt so viele sein. Im Gegensatz zu anderen Klinikabteilungen sei die Verweildauer mit durchschnittlich drei Wochen deutlich länger, erläutert Julia Hefty. Üblich seien ansonsten nur mehr fünf Tage.

Für die Einrichtung der neuen Geriatriestation rechnet die Geschäftsführerin der Hochtaunuskliniken mit überschaubaren Kosten. Allerdings seien in den nächsten Jahren größere Investitionen für eine Modernisierung der gesamten Klinik notwendig. Landrat Ulrich Krebs ist optimistisch, dass das Land Hessen sich hieran finanziell beteiligen wird.

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