Lade Inhalte...

Kloster Eberbach Streit über Bohlen-Auftritt

Dieter Bohlen will im April mit einer Final-Show der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ ins Kloster Eberbach in Eltville kommen. Martin Blach, Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach, über seine umstrittene Entscheidung.

In die Basilika passt Bohlen nicht rein, finden Kritiker. Foto: Michael Schick

Dieter Bohlen will im April mit einer Final-Show der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) ins Kloster Eberbach in Eltville kommen. Das sorgt für Wirbel im Rheingau. Der Freundeskreis Kloster Eberbach sieht die Würde der Anlage bedroht. Martin Blach, Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach, spricht über seine umstrittene Entscheidung und Vorteile, die er sich von Bohlens Auftritt erhofft.

Herr Blach, freuen Sie sich auf das DSDS-Finale im Kloster Eberbach?
Ja, ich glaube, das wird für die Gäste und die jungen Sängerinnen und Sänger, vor allem für die Stiftung und die Region ein tolles Event. Bei diesem Auftritt überwiegen die Chancen eindeutig die Risiken. Auf einmal wird über Kloster Eberbach gesprochen wie selten zuvor.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Das war ein schwieriger Abwägungsprozess. Wir haben den Auftrag, diese Anlage wirtschaftlich zu führen, das heißt Betrieb und Unterhalt des Klosters müssen wir eigenständig verdienen, damit es künftigen Generationen erhalten bleibt. Dafür brauchen wir Fundraising und eben auch die Vermarktung als Veranstaltungsort.

Wie viel Geld müssen Sie einnehmen?
Betrieb und Unterhalt des Klosters kosten etwa zweieinhalb bis drei Millionen Euro pro Jahr, im Schnitt also rund 7000 Euro am Tag. Die historische Bausubstanz verschlingt unglaublich viel Geld. Bisher gelingt uns das, wir sind in schwarzen Zahlen, aber wir werden längerfristig auf höhere Spenden angewiesen sein, spätestens, wenn die Generalsanierung mit Landesmitteln im Jahr 2024 beendet ist.

Verdient das Kloster am DSDS-Finale besonders gut?
So viel wie an anderen Kunden auch. Es gelten klare Mietkonditionen, für ein Konzert genauso wie für eine private Feier. Ja, es lohnt sich auch wirtschaftlich.

Kritiker sehen schon ein religiöses Disneyland kommen. Wird der Auftritt Dieter Bohlens eine neue Ära der kommerziellen Nutzung einleiten?
Nein, wir nehmen die Kritik sehr ernst, aber es überwiegen eindeutig die positiven Stimmen und die Begeisterung im Rheingau. Und man muss auch sehen, dass das Kloster seit 1803 säkularisiert ist und vom Frauenzuchthaus, über Psychiatrie bis zum Waffenlager schon vielfältig nichtreligiös genutzt wurde. Auch die derzeitige Kritik ist kein neues Phänomen.

Wie meinen Sie das?
Als einer meiner Vorgänger das Rheingau-Musik-Festival vor 30 Jahren hier genehmigte, gab es einen Entsetzensaufschrei, ebenso bei den Dreharbeiten von „Der Name der Rose“. Heute will sich jeder mit diesen Ereignissen schmücken. Sie haben das Kloster bekannt gemacht. Ich will solche Veranstaltungen zwar nicht mit DSDS vergleichen, aber wir haben nun mal den Auftrag, das Kloster für die Allgemeinheit zu öffnen. Deswegen ist das für mich keine neue Ära, sondern eine gute Gelegenheit, weitere Kreise für die Region und das Kloster zu begeistern und damit letzten Endes auch unsere Spendenakquise und die Fundraisingaktionen voranzutreiben.

Sie erfahren auch Lob. Von welcher Seite?
Von der jungen Bevölkerung. Wir haben unglaublich viele Kartenanfragen, die Klicks auf der Homepage sind enorm gestiegen, in den Medien ist ein Hype, der sich auch in einem Run auf Führungen durch Eberbach niederschlägt. Und auch alle Tourismus- und Gaststättenverbände und viele Rheingauer-Winzer freuen sich. Die Sendung ist eines der erfolgreichsten Formate des deutschen Unterhaltungsfernsehens, die sich vier bis sechs Millionen Zuschauer ansehen. Da ist es selbsterklärend, was das für ein kostenfreies Marketing für den Rheingau ist.

Aber ist DSDS gut fürs Image des Klosters?
Es geht auch um die Bekanntheit. Wir wollen die Anlage allen Bildungsschichten und allen Generationen zugänglich machen. Wir sind ein Ort für die Jugend genauso wie für Ältere. Und DSDS schauen sicherlich mehr Jüngere als Ältere.

Manche Kritiker befürchten Randale. Wie wollen Sie sicherstellen, dass sich das jugendliche Publikum gut benimmt?
Es ist immer die Angst der älteren Generation, dass die Jugend nur randaliert, das war schon immer so. Ich vertraue der Jugend. Sie wird spüren, dass der Ort etwas besonderes ist. Außerdem sind unsere Verträge – wie bei jedem anderen Mieter auch – so streng, dass alle wissen, wie sorgsam mit der Basilika umzugehen ist.

Interview: Regine Seipel

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum