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Klimaschutz in Hessen Viele Schritte für den Klimaschutz

Das Land Hessen feilt 2016 an seiner Strategie, um die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern. Bei einer Tagung in Frankfurt überzeugt zumindest die rege Beteiligung.

Auch am Großen Feldberg ist es wärmer geworden, und der erste Schnee ließ lange auf sich warten. Foto: dpa

Jedes Großprojekt braucht ein griffiges Motto. Und wenn in der Flüchtlingshilfe das Leitmotiv „Wir schaffen das!“ ausgerufen ist, dann könnte beim Klimaschutz gelten, was die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch zur Eröffnung einer Tagung in Frankfurt sagte: „Alle müssen mitmachen!“ Nur so sei die Herausforderung zu meistern, die der Klimawandel auch für das Land Hessen darstellt.

Was das Interesse am Thema angeht, sieht es schon mal gut aus. Mit 150 Teilnehmern hatte das Landesamt für Naturschutz gerechnet, als es zur Tagung „Klimaschutz global und regional: Auswertung der UN-Klimakonferenz in Paris und der Hessische Klimaschutzplan 2025“ ins Haus am Dom einlud. Angemeldet haben sich schließlich mehr als 300 Vertreter von Verbänden und Kommunen – die Eröffnungsreden im hoffnungslos überfüllten Saal mussten gestern live in die vierte Etage übertragen werden.

„Es ist die Herausforderung des Jahrhunderts“, sagte Hinz. Die zweiwöchige Konferenz in Paris habe den spürbaren gemeinsamen Willen gezeigt, die globale Erwärmung nicht über zwei Grad steigen zu lassen – nun gelte es, das auch in Hessen umzusetzen. „Es gibt nur ein Weltklima, das wir alle gemeinsam beschützen müssen: Bund, Länder und Kommunen“, sagte die Ministerin.

Auf diesem Weg ist Frankfurt schon ein Stück vorausgegangen, wie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bemerkte: „Wir haben unseren Masterplan erarbeitet“; Frankfurt will sich bis 2050 komplett aus erneuerbaren Energiequellen versorgen, „das Land Hessen fängt diesen Weg jetzt an“. Der Weg im Land soll über zwei Etappen zum Ziel führen: Bis 2020 sollen Hessens Kohlendioxidemissionen um 30 Prozent, bis 2025 um 40 Prozent gegenüber dem Ausgangswert des Jahres 1990 sinken.

Als „Knackpunkte“ nannte Hinz neben der Kohleverbrennung („Ausstieg unausweichlich“) besonders den Straßenverkehr und den Willen zur Verhaltensänderung: „Wie können wir es attraktiv machen, aufs Rad statt ins Auto zu steigen oder sich eine klimafreundliche Ernährung anzugewöhnen?“ Das sollen nun verschiedene Arbeitskreise mit Online-Bürgerbeteiligung bis Ende Juni erarbeiten. Im Dezember, so der Zeitplan, soll der Klimaschutzplan reif für einen Kabinettsbeschluss sein.

Einen anderen Knackpunkt gab der Meteorologe und Klimaforscher Christian-Dietrich Schönwiese zu bedenken: Die Erderwärmung sei längst im Gang, ein Anstieg um 2,5 Grad sei schon nicht mehr zu vermeiden, da könne man global und lokal beschließen und tun, was man wolle. Ist also alles Streben vergebens, viel Gehampel ohne Aussicht auf Erfolg? Nein, sagte Schönwiese: Tun, was möglich sei, aber Ziele realistisch betrachten.

Kritik von der SPD

Klar ist, dass Land- und Forstwirtschaft in Hessen, Mensch und Natur unter dem Klimawandel leiden werden, unter Trockenheit und Überschwemmungen, Hitze und Sturm – je weniger wir dagegen unternehmen, desto schwerwiegender die Folgen. Jeweils etwa 80 Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Veränderungen hat sich das Land Hessen daher vorgenommen.

Die Stadt Ortenberg in der Wetterau ist voller Elan dabei: „Wir planen einen energieautarken Campingplatz“, verkündete Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring (SPD) am Mittwoch. Das Projekt fand sofort Aufnahme in den Maßnahmenkatalog – wie die anderen Tagungsergebnisse vom Mittwoch im Haus am Dom. Mehr Informationen gibt es unter www.klimaschutzplan-hessen.de.Die Internetseite schaltete die Umweltministerin im Plenum „live“ per Knopfdruck frei.

Kritik gab es von SPD-Parlamentarier Timon Gremmels: Mit der Ankündigung eines Klimaschutzplans nur bis 2025 falle Hinz hinter ihre eigenen Ansprüche aus dem letzten grünen Wahlprogramm zurück: „Frau Hinz rückt damit endgültig von den grünen Klimaschutzzielen ab.“

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