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Kirche und soziale Medien Kirchenpräsident schaut sich IT-Firmen an

Kirchenpräsident Volker Jung war bei Facebook und Google zu Gast und sieht einige Parallelen zwischen Kirche und Internetkonzernen - aber auch wichtige Unterschiede.

Evangelische Kirche
Was macht ein Medienbischof wie Volker Jung? Beispielsweise nachsehen, was die anderen so tun. Foto: Thomas Lohnes (epd)

Wie sieht es aus bei Facebook, Google und Co.? Was bewegt die Menschen, die dort arbeiten? Kirchenpräsident Volker Jung war auf Stippvisite in Kalifornien und hat einige überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den dortigen Unternehmen und seiner Kirche gefunden – und große Unterschiede. Immerhin: Verkünder einer frohen Botschaft gibt es hier wie dort. Und den Glauben, die Welt verbessern zu können.

Herr Jung, haben Sie den Geist entdeckt, den Spirit, der die Menschen bei Facebook und Co. antreibt? 
Was zu spüren war, ist eine ausgesprochen positive Haltung zur eigenen Arbeit. Die Grundüberzeugung dort ist: Wir tun etwas Gutes.

Die Menschen dort glauben an das, was sie tun?
Ja. Wir sind bei Google zum Beispiel einem Manager mit der für uns etwas seltsamen Berufsbezeichnung Chief Evangelist begegnet. Er war wie viele andere davon überzeugt, für eine Firma zu arbeiten, die die Welt verbessert. Das ist schon ein hoher Anspruch.

Im christlichen Kontext verkündet ein Evangelist das Evangelium, also die gute Botschaft, dass Gott den Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus erlöst habe. Welche Botschaft verbreitet ein Evangelist bei Google?
Als ich mit ihm sprach, hatte ich den Eindruck, dass ihm der religiöse Bezug seiner Berufsbezeichnung nicht so klar ist. Er sieht sich ganz selbstverständlich als Verkünder einer frohen Botschaft. Es ist seine Aufgabe, die Begeisterung für die Innovationen im Unternehmen zu wecken. Er ist Motivator für Mitarbeitende.

Haben die Mitarbeiter von Google, Facebook und Co. Ihrem Eindruck nach eine Mission?
Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, sagt in seinem neuen „mission statement“: Wir helfen dabei, Gemeinschaften zu bilden. Und das ist ja durchaus sinnvoll. Facebook sagt: Ihr als Kirche wollt doch ebenfalls Gemeinschaft fördern. Wir können euch dabei helfen.

Werden Sie künftig genau beobachten, welche Ihrer Mitglieder sich beispielsweise mit dem Gedanken tragen, aus der Kirche auszutreten? Dann könnten Sie diesen Menschen ja gezielt Werbebotschaften zuschicken, oder der Pfarrer klingelt mal an und versucht, denjenigen in der Kirche zu halten.
Dazu müssten wir die Informationen über unsere Mitglieder gezielt sammeln und auswerten. Das wäre heute technisch sicher möglich. Ich wurde schon hin und wieder von Kommunikationsfachleuten gefragt, ob das nicht für die Kirche interessant wäre. Ich habe das bislang immer abgelehnt.

Warum?
Es ist eine grundlegende Frage, ob und wie unsere Mitglieder dazu bereit sind, uns ihre Daten zur Verfügung zu stellen, damit wir mit ihnen kommunizieren. Wir dürfen als Kirche nicht fahrlässig mit den Daten der Menschen umgehen. Für uns ist es sehr wichtig, Persönlichkeitsrechte zu schützen. Dafür stehen wir. Es wird zu Recht von uns erwartet, dass wir nicht agieren wie ein Unternehmen, das auf ökonomischen Erfolg aus ist. Da gibt es einen grundsätzlichen Unterschied. Nicht zuletzt, weil Vertrauen zu unserem wichtigsten Kapital gehört. Das darf nicht leichtfertig verspielt werden mit Experimenten rund um Big Data.

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