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kino Mieser, gelber Himmel

Rolf Dieter Brinkmann war Ende der sechziger Jahre so etwas wie der literarische Arm der Studentenbewegung. Mit seinen experimentellen Texten und

13.01.2009 00:01
VOLKER MAZASSEK

Rolf Dieter Brinkmann war Ende der sechziger Jahre so etwas wie der literarische Arm der Studentenbewegung. Mit seinen experimentellen Texten und Übersetzungen amerikanischer Underground-Literatur zählte er zu den Vorreitern der Beat-Generation. Doch Anfang der siebziger Jahre gab es einen Bruch. Der frühe Pop-Literat Brinkmann verlor das Vertrauen in geschriebene Wörter. Er wendete sich abrupt von Freunden und literarischen Szenen ab und suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. 1973 lieh er sich beim WDR ein Tonbandgerät und spazierte damit monatelang durch Köln.

Zu diesem Zeitpunkt setzt Harald Bergmanns Film "Brinkmanns Zorn" ein. Bergmann rekonstruiert zu den Tondokumenten die Bilderwelten, in denen sich der Schriftsteller bewegte, während er seine Weltbeschimpfungen aufzeichnete. Der Film ist weit mehr als ein bebildertes Hörspiel. Man hört die Stimme Brinkmanns aus dem Mund des Schauspielers Eckhard Rohde, der jeden Satz, jeden Atemzug und jedes Hüsteln lippensynchron nachahmt - und den Schriftsteller so zum Leben erweckt. Bild und Ton gehen eine Verbindung ein, die eine ganz eigene Wahrhaftigkeit erzeugt. Ein erstaunliches und gelungenes Experiment.

Das Mikrofon war Brinkmanns Instrument der Welterkundung. Er zog durch die Straßen und kommentierte, was er sah. Es waren oft Alltagsszenen, die er beschrieb ("ein kleiner, mürrischer Park, den ich durchquere") oder kleine inszenierte Geschichten. So pinkelte er gegen eine Mauer und registrierte die Reaktionen seiner Umwelt ("Ein Muff-Gesicht schlurft vorbei", "ein Glotz-Gesicht macht eine blöde Bemerkung"). Brinkmanns Beobachtungen mündeten stets in große Ablehnung und Verachtung. Wenn er den "miesen gelben, schmutzigen Kölner Kackhimmel" anblökte, wird klar: Ein angry young man schrie hier seinen Hass auf die deutsche Wohlstandswelt hinaus.

Bergmanns Film aus dem Jahr 2006 läuft heute in der Reihe Dokumentarfilm und Gespräch der Initiative Naxos. Kino im Theater.

Brinkmanns Zorn, 13.1., 20 Uhr,

Deutsches Filmmuseum,

Frankfurt, Schaumainkai 41,

Telefon 0 69 / 9 61 22 02 20

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