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Kinderpornografie Zigtausend Kinderporno-Dateien

Ein ehemaliger Wiesbadener Stadtverordneter steht wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie vor dem Amtsgericht. Das besondere an dem Fall: Der 47-Jährige wird immer wieder rückfällig.

Der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie wird in Wiesbaden verhandelt Foto: imago stock&people

Ob er denn keine Sorge gehabt habe, wieder erwischt zu werden, will der Sachverständige vom Beklagten wissen. „Nein“, sagt der 47-Jährige. Dann fügt er hinzu: „Die war im Hinterkopf. Aber nicht im Vordergrund.“ G. wirkt nervös. Mehrfach zwinkert er mit den Augenlidern, als müsse er die Tränen zurückhalten. Der Wiesbadener, ein ehemaliger Stadtverordneter, ist wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie angeklagt. Zudem soll er zwei Mädchen in Mainz angesprochen, ihnen einen Kinderpornofilm vorgespielt und einen Euro geboten haben, wenn sie mit ihm gingen.

G. gesteht vor dem Amtsgericht Wiesbaden die ihm zu Last gelegten Taten. Er gibt zu, im Besitz von zigtausenden Bildern und Videodateien mit Namen wie „Schoolmodels-Diane“ und „Babyblueyes“ gewesen zu sein. So schmuddelig wie der Name, so abscheulich auch der Inhalt: junge Mädchen nackt, in eindeutigen Posen. Mal alleine, mal mit ihren Peinigern. „Da war sehr hartes Material dabei“, beschreibt Staatsanwalt Benjamin Krause.

Für Krause ist der Wiesbadener Fall kein gewöhnlicher. Besonders sei der „schnelle Rückfall“ des Beklagten, den der Staatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt so skizziert: Am 15. Januar 2014 wird die Wohnung des Wiesbadeners zum ersten Mal durchsucht. Drei Festplatten nehmen die Ermittler mit. Im August 2014 erfolgt eine weitere Durchsuchung, erneut konfiszieren die Beamten unzählige Speichermedien mit kinderpornografischem Material.

Therapie bisher erfolglos

Als G. am 14. Januar dieses Jahres zwei acht und neun Jahre alte Mädchen in Mainz anspricht, statten die Beamten G.s Wohnung zum dritten Mal einen Besuch ab. Erneut werden der neu angeschaffte Computer und das Handy beschlagnahmt. Nach dieser Tat wird auch G. mitgenommen. Wegen Wiederholungsgefahr kommt er in Untersuchungshaft. Sechs Monate später, im Juli, wird er entlassen – doch er wird wieder rückfällig.

Keine drei Monate später hat der 47-Jährige erneut Tausende Kinderporno-Dateien heruntergeladen. Einige führt er einem Chatpartner über seine Webkamera vor. Eine amerikanische Organisation wird auf G. aufmerksam und kontaktiert die deutschen Ermittlungsbehörden, woraufhin die Beamten dem 47-Jährigen erneut einen Besuch abstatten – zum vierten Mal innerhalb von 24 Monaten. G. kommt wieder in Untersuchungshaft.

Zu seinem Antrieb äußert sich G. nicht. Der Sachverständige erklärt, dass der 47-Jährige seit seinem 23. Lebensjahr Kinderpornografie sammele. Zunächst habe die Sammelleidenschaft im Vordergrund gestanden, dann dienten die Bilder und Videos als Vorlage für G.s Befriedigung. G. habe eine „pädophile Nebenströmung“. Das bedeutet, dass G. laut Gutachter durchaus in der Lage ist, Befriedigung beim Sex mit einer Frau zu empfinden.

G. ist verheiratet, hat zwei Kinder. Seine Frau habe von seinem Tun nichts mitbekommen, sagt er. Nachdem er aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, habe er sich Hilfe gesucht. Sechs Therapiestunden habe er absolviert. Dann wurde er wieder verhaftet. Er habe die Ratschläge seines Therapeuten „leider nicht zu 100 Prozent“ umgesetzt.

Der Prozess wird am 16. Dezember, 10 Uhr, fortgesetzt.

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