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Kindergarten Erzieherinnen haben oft keine Zeit für Kinder

Mehr als zehn Stunden pro Woche muss eine Vollzeitkraft für Arbeiten abseits der Betreuung aufwenden. Dazu gehört es auch, Hausmeister zu spielen.

Erzieherinnen in Kindergärten verbringen bestenfalls drei Viertel ihrer Zeit tatsächlich mit Kindern. Mehr als ein Viertel der Arbeitszeit – 27,3 Prozent – wird durch andere Aufgaben, etwa Elterngespräche oder Dokumentationen, in Anspruch genommen. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die das Bistum Limburg für seine Kindertageseinrichtungen in Auftrag gegeben hatte.

Um herauszubekommen, wie der Arbeitsalltag in den Kitas aussieht, hatten Wissenschaftler der Hochschule Koblenz detaillierte Tätigkeitsprotokolle angefertigt. Daran hatten sich mehr als 100 Mitarbeiter von neun katholischen Kindertagesstätten beteiligt. Demnach beträgt bei einer Vollzeiterzieherin die Zeit, die sie nicht mit Kindern verbringt, mehr als zehn Stunden in der Woche. Besonders bedenklich finden die Wissenschaftler, dass wiederum ein Viertel dieser zehn Stunden für hauswirtschaftliche und hausmeisterliche Tätigkeiten aufgewendet wird. „Das ist zu viel“, sagen die Autoren der Studie, Armin Schneider und Andy Schieler vom Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung der Hochschule Koblenz.

Sie fordern daher eine bessere Ausstattung der Einrichtungen mit Hauswirtschaftskräften und Hausmeisterdiensten. Wo dies nicht möglich oder gewünscht ist, empfehlen sie, einen Teil dieser Arbeiten in das pädagogische Konzept aufzunehmen – also beispielsweise gemeinsam mit den Kindern zu kochen oder auch die Beete im Garten zu jäten und zu bepflanzen.

Die Autoren stellen außerdem fest, dass die pädagogische Arbeit in den Kindertagesstätten die Anforderungen etwa des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans erfüllt. Sie gehen aber auch davon aus, dass dies oft nur gelingt, weil zumindest Teile der Aufgaben außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit, also in der Freizeit, erledigt werden.

Zu den Arbeiten, die nicht unmittelbar mit den Kindern erfolgen, gehören die Beobachtung und Dokumentation von Bildungsprozessen, der Austausch und die Zusammenarbeit im pädagogischen Team, der Kontakt mit Eltern und Familien, Planung und Evaluation, die Zusammenarbeit mit dem Träger der Einrichtung, Kooperationen mit Schulen, sowie Qualitätssicherung und -entwicklung.

Wichtig sei es, dass für diese Aufgaben bestimmte Zeitkontingente vorgesehen und vereinbart seien, betonen Schneider und Schieler. Geschehe dies nicht, erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass entsprechende Arbeiten in der Freizeit, den Pausen oder während der direkten Arbeit in der Gruppe verrichtet werden. Im letzteren Fall könne dies zu Lasten der Qualität der pädagogischen Arbeit mit den Kindern gehen.

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