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Kinderbetreuung in Hessen Verunsicherung in den Kitas

Erzieherinnen in Hessen beklagen den gestiegenen Verwaltungsaufwand. Auch bei Gruppen mit behinderten Kindern sehen sie Verschlechterungen.

Gruppen mit Inklusionskindern sollen maximal 20 Kinder umfassen – das haut nicht immer hin. Foto: Renate Hoyer

Verunsicherung, Verärgerung und hoher Verwaltungsaufwand prägen die Arbeitssituation in der Kinderbetreuung. Das haben Erzieherinnen und Leitungskräfte von Kindertageseinrichtungen am Dienstag bei einer Fachdiskussion der hessischen Wohlfahrtsverbände in Frankfurt deutlich gemacht.

Rund 150 Praktikerinnen und Praktiker waren in den Saalbau Gutleut gekommen, um über die Auswirkungen des hessischen Kinderförderungsgesetzes (Kifög) zu diskutieren, das nach heftigem politischen Streit im Jahr 2013 verabschiedet worden war. Kritiker hatten seinerzeit erhebliche Verschlechterungen befürchtet.

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) hatte eine umfangreiche Untersuchung in Auftrag gegeben, um zu überprüfen, ob diese Sorgen berechtigt waren. Die Studie, für die Hunderte von Kommunen, Trägern und Kita-Leitungen befragt wurden, ergab ein gemischtes Bild. Das machte eine der Wissenschaftlerinnen bei der Veranstaltung deutlich, Irina Volf vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

So habe sich die Befürchtung nicht bestätigt, dass aufgrund des Kifög weniger Einrichtungen lange Öffnungszeiten von 45 Stunden und mehr anbieten würden. Im Gegenteil: Der Anteil dieser Betreuungseinrichtungen sei von 60 auf 63 Prozent angestiegen.

„Stärker inklusiv ausrichten“

Negativ fiel Volfs Bilanz mit Blick auf den Verwaltungsaufwand aus. Sowohl Jugendämter als auch Kommunen und Kita-Leitungen beklagten zu einem erheblichen Teil einen zusätzlichen Aufwand, zitierte die Forscherin aus dem Evaluationsbericht.

Besonders hoch ist der Aufwand offenbar für Träger, die Einrichtungen in verschiedenen Städten und Landkreisen unterhalten. Denn das Kifög hat nach dem Eindruck der Praktikerinnen nicht zu einer einheitlichen Linie in den Kommunen geführt.

Hinzu komme, dass das Kifög teilweise im Widerspruch zu einer Rahmenvereinbarung stehe, die zwischen den Kommunen und der Liga der Wohlfahrtspflege getroffen worden war. Sie soll Verbesserungen schaffen, wenn ein behindertes Kind in eine Gruppe aufgenommen wird. In der Rahmenvereinbarung ist vorgesehen, dass statt 25 höchstens 20 Kinder in einer Regelgruppe sein dürfen, wenn ihr ein Kind mit Behinderung angehört. Dies werde aber „nicht in jedem Fall umgesetzt“, heißt es im Evaluationsbericht.

In 14 Prozent der Kindergartengruppen und acht Prozent der altersübergreifenden Gruppen seien mehr als 20 Kinder in einer Gruppe mit Inklusionskind untergebracht. „Uns ist sehr bewusst, wie schwierig das ist“, räumte Referatsleiterin Barbara Tiemann aus dem hessischen Sozialministerium ein. „Das ist ein echtes systematisches Problem.“

Die Wohlfahrtsverbände sehen mit Sorge, dass Kinder mit Behinderung „derzeit in größeren Gruppen betreut werden als vor dem Kifög“. Das Gesetz müsse daher „stärker inklusiv ausgerichtet werden“, fordert die Liga der Wohlfahrtspflege.

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