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Kinderbetreuung Hessen hinkt bei Kitas hinterher

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) lädt zum Gespräch über die Situation der Kinderbetreuung Fachleute und Praktiker ein. Er möchte eine erste Bilanz über die Auswirkungen des umstrittenen Kifög ziehen.

Hessen landet bei der Kinderbetreuung in Westdeutschland auf dem letzten Platz. Foto: dpa

Die vergleichsweise schlechte Situation der Kinderbetreuung in Hessen wird Mitte September wieder die schwarz-grüne Landesregierung beschäftigen. Dann lädt Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) wieder Fachleute und Praktiker ein, um eine erste Bilanz zu ziehen über die Auswirkungen des hoch umstrittenen hessischen Kinderförderungsgesetzes (Kifög).

Die Zahlen, die auf der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik beruhen und am Montag von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurden, geben den Kita-Trägern Rückenwind, wenn sie mehr Unterstützung vom Land fordern. Denn Hessen steht in dem Ranking nicht gut da.

Bei den Kindergartenkindern lag es mit 9,8 Kindern pro Betreuungskraft unter den westlichen Bundesländern auf dem letzten Platz. Auch bei den Kleinsten (unter drei Jahren) landete Hessen mit 3,8 Kindern pro Fachkraft unter den Schlechtesten im Westen der Republik. Die Zahlen wurden bereits im März 2014 erhoben, als sich das Kifög noch kaum auswirkte. Erst bis zum 1. September diesen Jahres müssen alle Einrichtungen nach dem neuen Verfahren abrechnen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband geht allerdings davon aus, dass die Lage in hessischen Krippen und Kindergärten in Wirklichkeit noch wesentlich schlechter ist. Der zuständige Referent beim Paritätischen Hessen, Marek Körner, zog dafür im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau die Mindest-Betreuungsquoten aus dem Kifög heran.

„Bei U3 wirklich Schlusslicht“

Danach kämen auf eine Kindergärtnerin oder einen Kindergärtner rechnerisch sogar 14,3 Kinder. Bei den Unter-Dreijährigen (U3) seien es sechs Kinder pro Fachkraft. „Im Bereich der U3-Betreuung sind wir wirklich Schlusslicht in den westlichen Bundesländern“, urteilte Körner.

Dabei bestehe ein erhebliches Nord-Süd-Gefälle innerhalb des Bundeslandes. In Frankfurt, Wiesbaden und anderen wohlhabenden Städten ermöglichten die Kommunen ein besseres Betreuungsverhältnis als im Kifög vorgeschrieben. In Nord-, Mittel- und Osthessen sei das anders. Diese Erfahrung bestätigt die Kita-Fachberaterin Ulrike Havers-Dietrich von der Diakonie Hessen. „Viele Kommunen in Nordhessen sind nur bereit, das Minimum zu bezahlen“, klagt sie. Dadurch könnten es die Einrichtungen nicht ausgleichen, wenn Mitarbeiterinnen wegen einer Fortbildung fehlten oder Zeit benötigten, um die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren und Gespräche mit Eltern zu führen.

Auch die SPD fordert, diese Tätigkeiten einzurechnen. „Rund ein Viertel der Arbeitszeit ist notwendig, um diesen Aufgaben gerecht zu werden“, kommentierte der hessische SPD-Sozialpolitiker Gerhard Merz. „Dass Kindergärtnerinnen und Kindergärtner deshalb in Hessen unter starkem Zeitdruck stehen, ist wenig überraschend – dieser Missstand muss behoben werden.“

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