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Kinder in Hessen Suchtprävention mit der Puppenkiste

Für das Sucht- und Gewaltpräventionsprogramm Papilio sind hessenweit bereits 1600 Erzieherinnen geschult worden.

Suchtprävention in Hessen
Die Augsburger Puppenkiste hat die Kinder in Oberursel begeistert. Foto: Renate Hoyer

Zornibold, Heulibold, Freudibold und Bibberbold sind die Stars des Tages. Alle Kinder nutzen die Gelegenheit, sich von den hölzernen Kobolden zu verabschieden, die zusammen mit den Marionettenspielern der Augsburger Puppenkiste in die Oberurseler Auferstehungskirche gekommen sind. Gleich drei Mal war dort am Mittwoch das Stück „Paula und die Kistenkobolde“ zu sehen – das nicht nur der Unterhaltung der jungen Besucher dienen soll, sondern auch Teil des Sucht- und Gewaltpräventionsprogramms „Papilio-3bis6“ ist. 

Vier Kindergärten aus Oberursel beteiligen sich an dem Angebot, für das in Hessen bereits 1600 Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet worden sind. Ziel des Programms sei es, die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder zu fördern, um aus ihnen starke Persönlichkeiten zu machen, erläuterte Katja Pfalzgraf vom Sozialunternehmen Papilio e. V. Bundesweit hat es mit seinem Angebot schon knapp 140 000 Mädchen und Jungen erreicht. 

„Je früher wir die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder unterstützen, umso erfolgreicher können wir Verhaltensauffälligkeiten entgegenwirken“, sagt Angelika Hafemann vom Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe für den Hochtaunuskreis. Sie hat als Trainerin acht Erzieherinnen aus dem Hochtaunuskreis für das Papilio-Programm ausgebildet. Was für alle Beteiligten einigen Aufwand bedeutet. Denn mit dem einmaligen Auftritt der Augsburger Puppenkiste ist es bei weitem nicht getan. „Es ist wichtig, dass die ganze Einrichtung hinter dem Ansatz steht“, sagt Pfarrerin Dorette Seibert von der Oberurseler Auferstehungsgemeinde, die Träger der Kita Arche Noah ist. Zehn Erzieherinnen betreuen dort 74 Kinder. 

Inzwischen haben sich alle entschieden, an dem Papilio-Programm teilzunehmen. Es habe aber fast ein Jahr gedauert, sie davon zu überzeugen, räumt Kita-Leiterin Olga Gettmann ein. Schließlich setze das ein gehöriges Umdenken voraus, inklusive der Bereitschaft, einen gewissen Kontrollverlust hinzunehmen. Bestes Beispiel ist der „Spielzeug-macht-Ferien-Tag“. An diesem Tag bleiben nicht nur alle Spiel-utensilien in den Schränken; die Kinder dürfen auch weitgehend selbst entscheiden, was sie tun wollen. 

Dabei passierten ganz erstaunliche Dinge, schildert Gettmann. So hätten einige Kinder nach dem Vorbild der Puppenkiste eigene Figuren gebastelt oder sich selbst als Marionetten verkleidet. Andere hätten aus Stühlen eine Kastanienschleudermaschine konstruiert und wieder andere eigenständig eine Liederliste für einen Besuch im benachbarten Seniorenheim Haus Emmaus zusammengestellt. Hätten die meisten Erzieherinnen am Anfang dem spielzeugfreien Tag skeptisch entgegengesehen, seien sie heute jedes Mal gespannt, was von den Kindern kommt, so Gettmann. Folge: Inzwischen wird in der Arche Noah jeden Donnerstag das Spielzeug weggeschlossen. 

„Man sieht die Kinder mit anderen Augen“, sagt Angelika Hafemann. Ziel eines solchen Tages sei, dass die Kinder lernten, sich untereinander auf Regeln zu verständigen. Aber auch die Erzieherinnen bekämen die Möglichkeit, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. So empfiehlt Hafemann ein Umdenken, was Lob und Tadel angeht. Statt wie üblich einen Großteil der Aufmerksamkeit den besonders auffälligen Kindern zu schenken, könne es mehr bewirken, positives Verhalten in den Mittelpunkt zu stellen.

Auch zwei der städtischen Oberurseler Kindertagesstätten nehmen am Programm Papilio teil. „Das werden sicher nicht die letzten sein“, kündigte Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) an. Darüber hinaus können in der Stadtbücherei ein Bilderbuch und eine DVD zum Stück mit der Augsburger Puppenkiste ausgeliehen werden. Live führt sie es heute noch einmal in Offenbach und am Freitag in Eschborn auf.

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