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Kernkraft BUND warnt vor Gefahren in Biblis

Zunächst standen Verfahrensfragen auf der Tagesordnung. Dann aber ging es ans Eingemachte beim Erörterungstermin zu Stilllegung und Rückbau des südhessischen Atomkraftwerks.

11.11.2014 14:17
Das RWE-Atomkraftwerk in Biblis aus der Luft. Der Plan zum Abbau des AKW erzeugt Kritik von Umweltschützern. Foto: dpa

Die einen bemängeln unvollständige Unterlagen, die anderen haben Bedenken wegen radioaktiver Strahlung oder Fragen zur Finanzierung des Rückbaus: Am Dienstag hat die mündliche Erörterung zur Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis begonnen. Bürger können dabei in der südhessischen Gemeinde gegenüber dem Betreiber RWE und dem hessischen Umweltministerium ihre Kritik äußern. Wenn nötig, soll auch an weiteren Tagen diskutiert werden, hieß es zu Beginn des Termins, zu dem rund 100 Menschen gekommen waren.

Beim Ministerium waren rund 50 schriftliche Einwände gegen die Pläne von RWE eingegangen – unterzeichnet von mehr als 1000 Einwendern. Die Pläne waren im Mai veröffentlicht worden. Nun sollen die Beanstandungen detailliert besprochen werden. Die Kritik richtet sich auch gegen die Vorhaben zum Strahlen- und Katastrophenschutz sowie Entsorgung und Endlagerung der Abfälle. Auch die Öffentlichkeit sei nicht ordentlich beteiligt worden. Als erstes standen Verfahrensfragen auf dem Programm.

„Erhebliches Gefahrenpotenzial“

Der Erörterungstermin in Biblis ist Teil des Genehmigungsverfahrens zu Stilllegung und Abbau der beiden Reaktorblöcke. Nach Prüfung noch offener Fragen will das Ministerium über die Genehmigung entscheiden. Der Abbau des Kernkraftwerks selbst würde rund 15 Jahre dauern, heißt es bei RWE. Die beiden 1974 und 1976 errichteten Atomreaktoren Biblis A und B waren in diesem Jahr nach dem Beschluss zum Atomausstieg endgültig vom Netz gegangen. Einige Kritiker bemängelten zu Beginn des Erörterungstermins, RWE habe bisher noch nicht verbindlich erklärt, die Anlage endgültig stillzulegen.

Der BUND Hessen – einer der Einwender – sieht „ein erhebliches Gefahrenpotenzial“ beim Abriss des Atomkraftwerks. Die fast 1000 Brennelemente würden in offenen Nasslagerbecken gelagert, die ständig gekühlt werden müssten. „Fällt die Kühlung eines Nasslagerbeckens aus, kann auch jetzt noch ein Störfall mit immensen Auswirkungen und radioaktiver Verseuchung des ganzen Rhein-Main-Neckar-Raums erfolgen“, sagte Werner Neumann, Sprecher des BUND-Bundesarbeitskreises Energie.

Ein weiteres Problem sieht der BUND in der Wiederverwertung von Materialien nach dem geplanten Abbau der Reaktorblöcke. Dabei könnten tausende Tonnen radioaktiv belasteten Materials in die Umwelt gelangen. „Riesige Mengen von Radioaktivität mit einer Aktivität von Hunderten Billionen Becquerel werden dann auf Alltagsgegenstände verteilt, kommen aus der Abluft von Müllverbrennungsanlagen oder werden in Gebäude, Straßen und Sportplätze als Recyclingmaterial eingebaut, und niemand weiß wo.“ (dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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