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Kerb in Birstein Entsetzen nach ausländerfeindlicher Attacke

Bei der Kerb in Birstein werden Fußballer aus Mühlheim-Dietesheim ausländerfeindlich attackiert. Die Landesregierung sieht den Vorfall als „inakzeptables Alarmsignal“

27.07.2018 12:02
Landesregierung
Verurteilt den Vorfall in Birstein: Kai Klose, Bevollmächtigter des Landes für Integration und Antidiskriminierung. Foto: Andreas Arnold

Nachdem Fußballer aus Mühlheim-Dietesheim während einer Kerb in Birstein offenbar ausländerfeindlich attackiert worden sind, hat die hessische Landesregierung den Vorfall verurteilt und zu Solidarität aufgerufen. Staatssekretär Kai Klose (Grüne), Bevollmächtigter des Landes für Integration und Antidiskriminierung, sagte: „Es ist ein inakzeptables Alarmsignal, dass Menschen in Hessen bepöbelt, bedroht und gejagt werden.“ Der Übergriff sei auch eine Folge der „Verrohung und Enthemmung der politischen Debatte um Flucht und Migration“. Aus Worten würden Taten.

Das Polizeipräsidium Südosthessen ermittelt in dem Fall, von dem ein Spieler der Amateurmannschaft aus Dietesheim (Kreis Offenbach) auf Facebook berichtet hatte. Demnach sollen er und seine Mannschaftskameraden Mitte Juli auf einem Dorffest in Birstein (Main-Kinzig-Kreis) angepöbelt und schließlich, begleitet von derben, rechtsextremen Sprüchen, vertrieben und bis zu ihrem Hotel verfolgt worden sein. Er postete auch ein Video von dem Vorfall, auf dem „Ausländer raus“-Rufe zu hören sind. Die Fußballer waren im Trainingslager und hatten abends das Dorffest besucht.

Wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde der Staatsschutz eingeschaltet. Birstein sei keinesfalls rechtsextrem, sagen langjährige Bewohner. Aber hier und in den umliegenden Orten gibt es offenbar eine Reihe Rechtsextremer, die sich im Internet teilweise offen zu ihrer Ideologie bekennen. 

Der Veranstalterverein SV Hochland Fischborn und die Gemeinde hatten sich von den Angreifern distanziert und ihre Hilfe bei den Ermittlungen angeboten. Am Sonntag soll in Mühlheim ein Freundschaftsspiel der beiden Vereine stattfinden, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. 
Die Landesregierung verstehe Vielfalt als „Grundlage und Bereicherung unseres Zusammenlebens“, erklärte Klose und verwies auf das Grundgesetz, nach dem die Würde aller Menschen unantastbar ist und das allen das Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit garantiert. „Wir dürfen in solchen Fällen nicht wegschauen, sondern müssen aktiv widersprechen und Gesicht zeigen“, so Klose.

Der Landesausländerbeirat hatte zuvor bereits gefordert, den Fall umfassend aufzuklären und in Hessen mehr politische Maßnahmen gegen Rassismus zu ergreifen. „Auswärtige Amateurfußballer von einem Dorffest mit ausländerfeindliche Parolen zu jagen, das ist so in Hessen bisher einmalig!“, sagte der Vorsitzende des Beirates, Enis Gülegen, und fügte hinzu: „Das Erstarken des Rechtspopulismus zeigt offenbar Folgen und zieht in alle Lebensbereiche.“ Der Vorgang zeige „den neuen unerträglichen Zeitgeist – auch in Hessen.“

Gülegen appelliert an die Landesregierung, sich solchem Hass entschlossen und öffentlich entgegenzustellen und Rassismus künftig entschiedener zu bekämpfen. Solchen Auswüchsen müsse jetzt auch politisch entschlossen entgegengetreten werden.

Auch der Main-Kinzig-Kreis erklärte sich solidarisch mit den betroffenen Sportlern: „Rassismus hat bei uns keinen Platz und steht allem entgegen, wofür wir in einer toleranten, offenen und freien Gesellschaft im Main-Kinzig-Kreis stehen“, teilten Landrat Thorsten Stolz, die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (beide SPD), der Kreisbeigeordnete Winfried Ottmann (CDU) sowie Birsteins Bürgermeister Wolfgang Gottlieb (parteilos) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Was vorgefallen ist, sei „kein Spiegelbild der Birsteiner Bürgerschaft“. Sie wollten die Fußballer ermutigen, Strafanzeige zu erstatten, um die rechtsextremen Angreifer zu ermitteln, sagen die Kommunalpolitiker.

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