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Keltenwelt am Glauberg Engagierte Archäologin

Die Leiterin der Keltenwelt am Glauberg, Vera Rupp, erzählt den Wetterauer Kulturpreis 2018. Die Ober-Mörlerin engagiert sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich.

Dr. Vera Rupp
Die 59-Jährige leitet seit 2011 die Keltenwelt am Glauberg. Foto: Rolf Oeser

In der Wetterau und darüber hinaus kennt man Vera Rupp vor allem als Direktorin der Keltenwelt am Glauberg, jenes archäologischen Museums und Forschungszentrums, das die bekannte lebensgroße Sandsteinstatue des Keltenfürsten und viele keltische Grabfunde zeigt. Dort hat die 59 Jahre alte Archäologin ihr Büro, seit Mai 2011 ist sie Chefin. „Ein traumhafter Arbeitsplatz mit Blick auf Frankfurt“, sagt sie.

Dass ihr kulturelles Engagement weit über die hauptberufliche Tätigkeit hinausgeht, wissen nur wenige. Der Wetteraukreis will diesen Umstand nun würdigen. Nächsten Donnerstag bekommt Rupp deshalb von Landrat Jan Weckler (CDU) in Ortenberg den mit 2500 Euro dotierten Wetterauer Kulturpreis verliehen, den im vorigen Jahr das Theater Altes Hallenbad in Friedberg erhielt.

Neben ihrer Arbeit auf dem Glauberg ist Rupp, die in Frankfurt und Freiburg Geschichte und Kultur der römischen Provinzen studierte, unter anderem in der 15-köpfigen Gruppe „Wir für unser Dorf“ aktiv. Die organisiert Führungen und Vortragsabende in Rupps Heimatgemeinde und Geburtsort Ober-Mörlen und kümmert sich um die Dorfgeschichte. In der 5800 Einwohner zählenden Nachbargemeinde von Bad Nauheim bewohnt die stellvertretende Landesarchäologin zusammen mit ihrem Mann eine knapp 300 Jahre alte Hofreite, die einmal ihren Großeltern gehörte.

Rupp ist in der Wetterau verwurzelt, sie fühlt sich wohl in der Region zwischen Frankfurt und Gießen, die sie auf vielfältige Weise in den Fokus ihres Schaffens rückt. Sei es, dass sie sich in ihrer Doktorarbeit mit der sogenannten Wetterauer Ware beschäftigt, einer Keramik, die in der römischen Kaiserzeit im Hinterland des Limes in der südlichen Wetterau hergestellt wurde. Sei es als Initiatorin des Wetterauer Mundartwettbewerbs, in dessen Jury sie sitzt, oder als Vorsitzende des Trägervereins der Bonifatius-Route, des bekannten Wanderweges von Mainz nach Fulda. Wo immer es geht, bringt sich Rupp ein. „Es ist etwas Schönes im Leben, wenn man so viel Auswahl hat“, sagt sie.

Der Wetteraukreis profitiert von diesem Tatendrang. „Mit Vera Rupp zeichnen wir eine Kulturschaffende und eine großartige Botschafterin der Wetterau aus, die sich seit vielen Jahren um die Region verdient gemacht hat“, sagt Landrat Weckler.

Rupp ist die Auszeichnung fast ein bisschen unangenehm, sie gebühre ihr keinesfalls alleine. „Ich nehme den Preis für alle anderen entgegen, die sich in den verschiedenen Gruppen einbringen.“ Mehr als sieben Jahre ist es jetzt her, dass die Ober-Mörlerin die Leitung der Keltenwelt am Glauburg übernahm. Mit dem Museum, einem archäologischen Park und der Forschungseinrichtung ist sie Teil des Archäologischen Landesmuseums beim Landesamt für Denkmalpflege. Den Glauberg kennt sie gut. Als Kreisarchäologin, die Rupp von 1988 bis 2002 war, gehörte sie bereits zu den Gründern des Archäologischen Parks, aus dem die Keltenwelt hervorging.

Zurzeit bereiten Rupp und ihr Team eine Wanderausstellung vor, die nächstes Jahr aus Baden-Württemberg nach Glauburg kommen wird. Es werde die erste Ausstellung unter freiem Himmel auf dem Glauberg sein. An den für 2020 und 2021 geplanten Sonderausstellungen arbeitet sie ebenfalls schon. „Ein Museum zu machen, ist wie Schachspiel“, sagt sie. Man müsse immer mehrere Züge im Voraus bedenken. Einmal Museumsleiterin zu sein, sei für sie kein Kindheitstraum gewesen, das habe sich so ergeben. Schaufensterdekorateurin wollte sie nach eigener Aussage als Schülerin werden. „Na ja, so ein bisschen was hat das ja auch von Museum.“

Es muss indes nicht immer die Alte und Frühe Geschichte sein, in die sich Rupp vergräbt. Seit vielen Jahren recherchiert sie über die „Hurdy-Gurdy-Girls“. Das waren junge Frauen, die im 19. Jahrhundert ihre Dörfer in der Wetterau verließen, um als Tanzmädchen in den Goldgräberstädten Amerikas zu arbeiten, vor allem Kalifornien und Britisch-Kolumbien. „Mich interessiert das Schicksal dieser Frauen.“ Sich dabei durch die Fülle von Akten zu arbeiten, habe auch etwas von Ausgrabung.

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