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Katholische Kirche Exodus der Sänger

Der modernen Kirchenmusik im Bistum Limburg droht das Aus. Nach dem Konflikt um die Entlassung des Leiters des Hauses der Begegnung, Patrick Dehm, will der evangelische Hochschulpfarrer Eugen Eckert die Leitung des Bistumskreises aufgeben.

Eugen Eckert (links), evangelischer Pfarrer, will keine Kirchenlieder mehr für das Bistum Limburg texten. Patrick Dehm arbeitet weiter für neue geistliche Lieder – zusammen mit Eckert in einem neuen Verein. Foto: Privat

Nach dem Konflikt im Bistum Limburg um die Entlassung des Leiters des Hauses der Begegnung, Patrick Dehm, gerät jetzt die moderne Kirchenmusik der Diözese unter die Räder. Weil Dehm auch die Leitung des angesehenen Bistumsarbeitskreises Kirchenmusik entzogen wurde, will morgen der Frankfurter evangelische Hochschulpfarrer Eugen Eckert seinen Austritt aus dem Gremium erklären. Damit steht der Kreis hauptamtlicher Kirchenmusiker ohne seine beiden Zugpferde da – und er bekommt eine mächtige, unabhängige Konkurrenz: Dehm und Eckert wollen nämlich einen „ökumenischen Verein zur Förderung neuer geistlicher Lieder“ gründen und so ihre bisherige Arbeit fortsetzen. Das sagte Eckert gestern der FR. Beobachter rechnen damit, dass das zum Exodus weiterer Köpfe aus dem Arbeitskreis führen wird.

Bistumssprecher Martin Wind räumte ein, Eckerts Abgang sei ein „Verlust“, er habe das „bundesweite Renommee“ des Arbeitskreises mitgeprägt. Wer den Kreis künftig leitet, ist völlig offen. Zur morgigen Sitzung reist der Diözesankirchenmusikdirektor an, der offenbar sondieren will, wer überhaupt noch weitermacht.

Neuer ökumenischer Verein geplant

Der Protestant Eckert hat 33 Jahre lang für den katholischen Arbeitskreis gearbeitet. Dieser war 1971 entstanden und sollte, getrieben vom frischen Wind des 2. Vatikanischen Konzils, die überkommenen Kirchengesänge modernisieren, zeitgemäßere Texte und Klänge entwickeln und sie so vor allem für junge Menschen anziehender machen. Eckert hat bis heute 1000 moderne spirituelle Lieder getextet, die inzwischen in vielen Gemeinden zum festen Liedrepertoire zählen. Auch das demnächst erscheinende neue Gesangbuch des Bistums enthält Texte von ihm.

Zusammen mit Dehm hat Eckert unzählige bundesweite Fortbildungen für Chorleiter, Organisten und Bands organisiert – zuletzt in den Herbstferien die 16. Musikfortbildung auf der Insel Spiekeroog, an der 50 Musiker aus sieben Bundesländern teilnahmen. Deren Teilnehmer zeigten sich schockiert von der Entwicklung und der Kündigung Dehms und betonten, das neue geistliche Lied habe vielen der Religion entfremdeten Menschen erst „wieder Zugang zur Liturgie und zum Wort Gottes“ gegeben.

Dehm und Eckert sind entschlossen, musikalisch genauso weiterzumachen wie bisher – aber eben nicht unter der Regie des Bistums, dem sie ökumenische Offenheit nicht mehr zutrauen. Die Spiekeroog-Fortbildung und auch den jährlichen Tag des Neuen Geistlichen Liedes – bisher wichtige Bistumstermine – wollen sie künftig mit dem neuen Verein machen. Denkbar ist Eckert zufolge auch, dass die Evangelische Kirche von Hessen-Nassau (EKHN) sich stärker engagiert: Die Spiekeroog-Fortbildung etwa „passt wunderbar in das Fortbildungsprogramm der EKHN“.

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