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Kassel Nach Räumung von besetzter Villa: Tumulte auf Uni-Gelände

In Kassel haben Aktivisten eine Villa besetzt, die der Universität gehört. Bei der Räumung kommt es zu Rangeleien zwischen Polizei und Hausbesetzern.

19.06.2017 16:22
Räumung Universitätsgelände
Die Polizei räumt einen Platz auf dem Gelände der Universität Kassel. Foto: dpa

„Unsere Stadt, unsere Villa“, rufen die 40 Demonstranten vor einem Gebäude der Uni Kassel. Ihnen gegenüber stehen Polizisten mit Helmen und Schutzkleidung. Als die Leitung der Universität das Gebäude verlassen will, blockiert die Menge das Fahrzeug. Dann geht es schnell: Die Beamten rücken vor, drängen die Menschen zurück, es kommt zu Rangeleien.

Es ist das zweite Mal an diesem Montag, dass Einsatzkräfte und linke Aktivisten sich gegenüberstehen: Am Morgen hatte die Polizei mit einem Großaufgebot eine alte Villa in der nordhessischen Stadt räumen lassen. Hausbesetzer hatten das Gebäude der Uni seit Pfingsten in Beschlag genommen und bauten ein „soziales Zentrum“ dort auf.

Es geht um mehr als eine alte Villa. „Von der voranschreitenden Modernisierung der Stadt profitieren nur sehr wenige Menschen“, erklären die Hausbesetzer im Internet. Die Aktivisten werfen der Uni vor, durch ihr Wachstum in einem eher armen Stadtteil Räume für unkommerzielle und selbstorganisierte Projekte zu vernichten, Bewohner zu verdrängen. „Der Stadtteil verändert sich und die Uni tut so, als ob sie das nichts angeht“, schimpften die Demonstranten.

Die Universität erstattete Anzeige

Doch die Universität sieht sich nicht in der Verantwortung. Sie forderte die Hausbesetzer auf zu gehen, dann erstattete sie Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Deswegen kam es zur Räumung.

Die Kasseler Polizei durchsuchte daraufhin das Gebäude mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Die Polizisten stießen auf 17 Personen in der Villa. Laut Ermittlern verließen nach der Feststellung der Personalien 13 Männer und drei Frauen das Gelände selbstständig. Ein Mann weigerte sich und musste vom Grundstück getragen werden.

Zudem bekam eine Frau im Zuge der Durchsuchungen Atemprobleme und wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Im Anschluss versuchte ein Mann, trotz einer Absperrung der Polizei zurück in die baufälligen Gebäude zu gelangen. Weil ihm der Zutritt verweigert wurde, leistete er nach Polizeiangaben Widerstand. Außerdem wurden gegen vier Personen Strafanzeigen gestellt, sie sollen gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben.

„Wir sind froh und erleichtert, dass wir diesen illegalen Zustand beendet haben“, sagte Reiner Finkeldey, Präsident der Universität, nach der Räumung. Die Hausbesetzer hätten „durchaus unterstützenswerte Anliegen“. Doch ihre Forderungen beträfen keine universitären Angelegenheiten, erklärte er. Man könne der Uni ihren Erfolg nicht zum Vorwurf machen. Deshalb habe man die Besetzung als Dauerzustand nicht dulden können.

Zudem brauche die Universität den Platz in der Villa selbst. „Wir haben extremen Raummangel“, erklärte Uni-Kanzler Oliver Fromm. 25 000 Studenten gibt es in Kassel, die Zahl steigt seit Jahren. Doch bis die geräumte Villa genutzt werden kann, wird es noch dauern. Ende des Sommers will die Uni darüber entscheiden, dann muss das Gebäude-Ensemble für mehrere Millionen Euro noch saniert werden. Bis dahin werde man die Villa sichern und ein Auge darauf haben, erklärte die Uni-Leitung.

Die Hausbesetzer erklärten in einer Stellungnahme, dass sie sich weiter für ein soziales Zentrum in Kassel einsetzen wollen. Von Göran Gehlen, dpa

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