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Kassel Ermittlungen gegen Neonazi

„Sturm 18“-Gründer jagt seine abtrünnige Ehefrau: Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

04.08.2010 23:11
Die Stiefel eines Rechtsradikalen Foto: ddp

Nach dem Bericht der Frankfurter Rundschau über das Neonazi-Netzwerk „Sturm 18“ hat die Polizei ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Gründer der rechtsextremen Kameradschaft eingeleitet. Es bestehe der Verdacht eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte Sprecher Wolfgang Jungnitsch in Kassel. Der einschlägig vorbestrafte „Sturm 18“-Chef Bernd T. hat auf Fotos im Internet mit einem Maschinengewehr posiert.

Seit vergangener Woche ermitteln die Beamten gegen den 35-Jährigen zudem wegen Bedrohung und Nötigung. Weil ihn seine Ehefrau verlassen hat, hat er Gleichgesinnte zur Jagd auf die Abtrünnige und einen möglichen Nebenbuhler mobilisiert. Am Wochenende reiste Bernd T. nach Polizeiangaben mit zehn Neonazis nach Thüringen, wo sich seine Gattin angeblich aufhalten soll. Die „Sturm 18 Krieger“, wie der Kasseler seine braune Truppe nennt, mussten jedoch unverrichteter Dinge wieder abziehen. Sie wurden bei ihrer Ankunft sofort von der Polizei in Empfang genommen und mit Platzverweisen zurückgeschickt, wie ein Polizeisprecher im thüringischen Nordhausen mitteilte.

Weitere Verfahren anhängig

Bernd T. wurde zuletzt im Dezember 2009 zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt – unter anderem wegen Bedrohung seiner heutigen Ehefrau. Damals hatte das Kasseler Amtsgericht den „positiven Eindruck“ gelobt, den der Mann in der Verhandlung hinterlassen habe.

Mittlerweile sind bei der Kasseler Staatsanwaltschaft jedoch weitere Ermittlungsverfahren gegen den Neonazi anhängig. Details wollte die Anklagebehörde aber nicht verraten. Auch der Verfassungsschutz in Wiesbaden hält sich bedeckt, wenn es um „Sturm 18“ geht. „Wir sind an der Sache dran und haben natürlich Erkenntnisse“, sagte Sprecher Werner Meystädt. „Aber die können wir nicht weitergeben.“ Nicht einmal eine Einschätzung zu Bedeutung und Gewaltbereitschaft des Neonazi-Netzwerks wollen die Beamten abgeben. (jft)

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