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Karfreitag Tanzen gegen das Tanzverbot

Der Freitag vor Ostern hat für die Kirche eine äußerst wichtige Bedeutung: Christen gedenken an Karfreitag des Todes Jesu Christi. Da es sich um einen gesetzlichen Feiertag handelt, gelten besondere Einschränkungen - wie das Tanzverbot. Damit sind nicht alle einverstanden.

25.03.2013 15:11
Corinne Plaga
Diese Szene könnte sich bald wieder so ereignen: Vor zwei Jahren tanzten junge Leute bei einer Flashmob-Aktion auf dem Römerberg. Foto: dpa

Der Freitag vor Ostern hat für die Kirche eine äußerst wichtige Bedeutung: Christen gedenken an Karfreitag des Todes Jesu Christi. Da es sich um einen gesetzlichen Feiertag handelt, gelten besondere Einschränkungen - wie das Tanzverbot. Damit sind nicht alle einverstanden.

Am Wochenende ausgehen, mal so richtig die Sau rauslassen und mit Freunden tanzen: Was für viele, vor allem junge Menschen zur allwöchentlichen Freizeitaktivität gehört, verbietet der Staat per Gesetz einmal im Jahr. Der Karfreitag gilt als stiller Feiertag und ist besonders geschützt. Das hessische Feiertagsgesetz verbietet an diesem Tag öffentliche Tanzveranstaltung von 00.00 Uhr an oder auch Veranstaltungen unter freiem Himmel, wenn sie nicht den diesem Feiertag entsprechenden ernsten Charakter tragen.

Viele halten diese Regelung für nicht mehr zeitgemäß und begründen dies unter anderem damit, dass die Handlungsfreiheit von Anders- oder Nichtgläubigen unzulässig eingeschränkt werde. Vor allem die Piratenpartei positioniert sich bei der Frage "Tanzen oder nicht?" ganz eindeutig und ruft zu Protesten in Form von Tanzdemos auf. Die Gießener Piratenpartei etwa wirbt für die Aktion „Tanzen gegen das Tanzverbot“, die „einsam statt gemeinsam“ über die Bühne gehen soll.

Damit reagieren die Piraten auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen. Die Richter hatten im Oktober 2012 das Behörden-Veto gegen eine für Karfreitag geplante Tanzdemo für rechtens erklärt. Für die Gießener hieß das übersetzt: "dass es natürlich am Karfreitag erlaubt ist, tanzend seine Meinung zu äußern, jedoch nicht im Rahmen einer Versammlung“. Auch die Grüne Jugend Hessen scheiterte mit ihrer geplanten Tanzaktion an den Behörden und anschließend an den Gerichten. Der Streit landete sogar bei den Bundesverfassungsrichtern in Karlsruhe - die entsprechenden Anträge wurden aber abgelehnt.

Das diesjährige Motto lautet nun "Tanzen gegen das Tanzverbot - Einsam statt Gemeinsam", mit dem die Piratenpartei Gießen zu individuellen Tanzeinlagen aufruft. Die Frankfurter Piratenpartei veranstaltet indes eine "Mahnwache" zum Thema "Trennung von Staat und Religion" am Ostersamstag (30.3.).

Die Feiertagsgesetze sind in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Veranstalter, die sich nicht an die Regelung halten, müssen mit hohen Bußgeldern und Ordnungsstrafen rechnen. Kritiker fordern deshalb nicht zu Unrecht eine Anpassung an das 21. Jahrhundert. In einem sekulären Staat wie Deutschland dürfe es keine Vorschriften durch die Kirchen geben, heißt es. Diese halten allerdings am Tanzverbot an Karfreitag fest. Dass vor allem junge Menschen, die konfessionslos sind, das Verbot als regelrechte Einladung zum Tanzen auffassen könnten, ist nur verständlich. (mit dpa)

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