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Karben Lesen lernen mit Mentoren

Mehr als 25 ehrenamtliche Helfer unterstützen an den fünf Kärber Grundschulen Kinder mit Leseproblemen. Und das Engagement trägt Früchte.

Gisela Patsch hilft Martyna einmal in der Woche. Foto: Michael Schick

Fliegender Stern schaute in das Grasland hinaus. Bis zum Himmelsrand war da nichts als eine weite, wellige Wiese.“ Himmelsrand – „Was könnte das denn sein?“, fragt Gisela Patsch. Martyna überlegt kurz, muss aber passen. Geduldig erklärt die pensionierte Lehrerin, was gemeint ist. Vor ihr und der Grundschülerin liegt das Kinderbuch „Fliegender Stern“ von Ursula Wölfel. Patsch hat es extra mitgebracht, weil Martyna ihr einmal erzählt hat, dass sie Indianer mag. Abwechselnd lesen die beiden mehrere Passagen. An einigen Stellen hangelt sich Martyna von Silbe zu Silbe. Die Bedeutung mancher Wörter erkennt die Zehnjährige nicht. Immer wieder fragt Patsch nach, ob Martyna verstehe, was sie gerade gelesen hat. Wenn nicht, hilft sie ihr auf dem Weg zur Lösung.

Gisela Patsch ist Lesementorin. Einmal in der Woche, am Freitagmorgen in der ersten Schulstunde, trifft sie sich mit Martyna in der kleinen Bücherei der Pestalozzi-Grundschule. Sie war hier selbst einmal Lehrerin, über 30 Jahre. Außer ihr gibt es noch vier andere Leselernhelfer an der Schule. In ganz Karben sind es mehr als 25. An allen fünf Grundschulen in Karben helfen sie Kindern, die Probleme beim Lesen haben.

Ein Mentor pro Kind

Der Verein „Mentor“ hat das Programm vor zehn Jahren in Hessen ins Leben gerufen. In Karben gibt es die Lesementoren aber erst seit vergangenem Jahr. Die Bürgerstiftung „Unser Karben“ übernimmt die Organisation vor Ort.

In der Regel betreut ein Mentor ein Kind. „Ein Ansatz, der mir gefällt“, sagt Gisela Patsch, die 2015 zu dem Programm gestoßen ist. In ihrem ersten Schuljahr betreute sie drei Schüler nacheinander, jeweils 20 Minuten. Da habe sie sich aber nicht genügend Zeit nehmen können, sagt die Karbenerin. Deswegen kümmert sie sich in diesem Schuljahr nur um Martyna, eine Schulstunde lang. Ruhe und Zuwendung seien im Umgang mit den Schülern nötig. Genau daran mangele es heutzutage häufig, meint die ehemalige Grundschullehrerin. „Vieles heute erreicht Kinder nur kurz und damit nicht vertieft.“ Rechtschreibung, das Kleine Einmaleins, Lesen seien einmal das Kerngeschäft in den ersten Schuljahren gewesen. „Das hat sich alles geändert“, meint Patsch.

Auf Martyna muss sie besonders eingehen. Ihre Aufmerksamkeit lässt rapide nach. „Es fängt gut an, aber dann bricht es total ab.“ Die Mentorin setzt auf Abwechslung und vermeidet es deswegen, mit der Schülerin nur in Büchern zu lesen. Gerne greift sie auf die Kinderzeitung zurück, die der Verein „Mentor“ einmal in der Woche herausgibt. „Ein Wort in jeder Reihe passt nicht zu den anderen. Streiche es durch“, Aufgaben wie diese stehen in der Zeitung.

Für die Leiterin der Pestalozzi-Schule, Hilke Bender, sind die Leselernhelfer ein Glücksfall. „Wir könnten das mit Förderstunden gar nicht auffangen“, sagt die Direktorin. Die Mentoren seien hochmotiviert und die Kinder freuten sich auf die Lesestunden. Dort gebe es anders als im Unterricht auch keinen Leistungsgedanken. Umso besser, dass sich das Engagement der Leselernhelfer später in einer besseren Leistung zeigt. „Man merkt es deutlich, dass die Schüler besser Hürden meistern“, sagt Bender.

Derzeit sucht die Bürgerstiftung weitere ehrenamtliche Lesepaten, die eine Stunde in der Woche opfern können, um einem Jungen oder Mädchen in der Grundschule zu helfen. Die Rektorinnen der Kärber Grundschulen haben der Stiftung weitere Kinder genannt, denen diese Unterstützung viel bringen könnte.

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