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Kakao-Kaffeehaus Die Welt zu Gast

Hannelore Kraus eröffnet am 6. Oktober um 11 Uhr ihre kleine Welt des Kakaos und des Kaffees. Der "Nussknacker" soll Menschen aus allen Zipfel der Erde anziehen. Von Claus-Jürgen Göpfert

Die alte Dame bittet demnächst zu Tisch. Foto: FR/Kraus

Sie reißt riesige Pakete auf, gerade vom Postboten reingeschleppt. Sie schiebt runde Tischchen hin und her, stapelt Bücher, Tassen, rot verpackte Lebkuchen-Herzen. Rennt hierhin und dorthin. Hannelore Kraus sitzt nicht still. "Ich will mich kümmern", sagt sie, "das ist mir wichtig."

So kennt man sie hier im Herzen des Gutleut, wo Frankfurt am internationalsten ist. Gegenüber Reisebüros, Läden, kleine Herbergen mit großen Schildern: Hotel Paris, Hotel Oriental, Hotel Europa. Karlsruher Straße: "Ich bin hier geboren", sagt die studierte Soziologin stolz.

Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung des Kakao-Kaffeehauses Nussknacker. Am 6. Oktober, 11 Uhr, ist es so weit. Die Idee ist "vor fast 20 Jahren" entstanden. Seit einem Vierteljahrhundert führt die 69-jährige die Pension Aller, benannt nach ihrer Mutter, für ihre Gäste aus aller Welt. Kraus zählt die Heimatländer der aktuellen Zimmer-Bewohner auf: "Russland, Kroatien, Türkei, Italien".

Und damals also, vor fast zwei Jahrzehnten, hat sie ein Gast, "eine Wienerin", auf die Idee des Kaffeehauses gebracht. Obwohl in den Räumen bis 2006 "ein Fischgeschäft war", das älteste von Frankfurt, 80 Jahre alt. Kraus will den "Nussknacker" als Treffpunkt. Für Gäste aus nah und fern.

Zur Buchmesse kommen jetzt zum Beispiel wieder Verleger und Schriftsteller, die bei ihr übernachten. Die können dann an den kleinen runden Tischen die verschiedenen Sorten Kakao und Kaffee genießen. "Es wird Menüs geben" und "Figuren aus dem Erzgebirge", kleine hölzerne Nussknacker. "Seit meiner Kindheit hab' ich Spass am Erzgebirgischen."

Ein bewegtes Leben. Anfang der 60er Jahre gehörte Kraus zu den ersten Westdeutschen, die Beziehungen in die östlichen Nachbarländer knüpften. 1964 / 65 bereiste sie "mit meinem 2CV" Polen, Ungarn, Rumänien. Von 1970 bis 1976 war sie für die Vereinten Nationen in Afrika, an der Elfenbeinküste, in Nigeria.

1988 / 89 wurde die Pensionsbesitzerin bundesweit bekannt. Sie verhinderte durch ihren Widerspruch den Bau des 300 Meter hohen Campanile-Hochhauses südlich des Hauptbahnhofs. Obwohl die Emissäre der Investoren "mir acht Millionen Mark geboten haben, hier in meiner Küche." Damals standen die Grünen an ihrer Seite. "Heute stimmen sie einem 211-Meter-Hochhaus dort zu, die Grünen haben ihre Unschuld verloren, absolut." Kraus lacht. "Ich kann nicht alleine gegen Windmühlenflügel kämpfen."

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