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„Junge Alternative“ Auf strammem Kurs nach rechtsaußen

Die Rhetorik der Jungen Alternative in Hessen wird schärfer, der Auftritt selbstbewusster. Nach wie vor unterhält sie enge Kontakte zur Identitären Bewegung und anderen Akteuren der „Neuen Rechten“.

AfD
Gegenprotest beim Treffen der AfD-Jugendorganisation in Büdingen. Foto: Michael Schick

Im Geschichtsverständnis des Kreisverbandes Offenbach-Land der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) war der 24. Januar 1965 ein Tag, an dem „die Welt ein Stückchen gerechter wurde“. Die Erklärung dafür liefern die jungen Rechtspopulisten in den sozialen Netzwerken bereitwillig mit.

An diesem Tag nämlich starb Winston Churchill, britischer Premier im zweiten Weltkrieg und aus Sicht des rechtspopulistischen Nachwuchses ein „Kriegsverbrecher“, wie man das Publikum per Bildbotschaft wissen lässt. Verantwortlich für die Zerstörung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg. „Befahl Bombenterror gegen Deutschland“, fasst die Überschrift zusammen.

Das Bild wird in den sozialen Netzwerken hundertfach geteilt - von Freunden der Jungrechten wie von Gegnern. Ein kleiner Viral-Hit, wie er von der Mutterpartei und anderen JA-Verbänden öfter inszeniert wird.

Das Muster ist immer gleich: Eine steile polarisierende These, reduziert auf wenige Schlagworte, ein passendes Bild und eine Botschaft, die nicht nur vom vermeintlich bürgerlichen Stammpublikum verstanden wird, sondern bewusst auch die Tür nach ganz weit rechts außen offen lässt.

Es wird sich aufgeregt, es wird darüber gesprochen, und ein Geschichtsbild, das deutsche Schuld gänzlich ausklammert, wird - zumindest für einen kurzen Moment - diskutabel. Ganz im Sinne der vom völkischen Flügel der AfD um Björn Höcke geforderten „erinnerungspolitischen Wende“.

Junge Alternative nicht mehr kleinlaut

Es ist nur ein Beispiel von vielen, die deutlich machen, dass die Junge Alternative in Hessen inzwischen gelernt hat, mit den Empörungs- und Aufmerksamkeitsmechanismen zu spielen, die den politischen Diskurs im Zeitalter sozialer Netzwerke prägen. Lange Zeit wirkte der 2014 gegründete Landesverband – trotz einschlägiger Kontakte der Führungsriege zu rechtsextremen und neurechten Akteuren – vergleichsweise kleinlaut. Das hat sich mittlerweile geändert.

Einen ersten medialen Coup landete der damalige Beisitzer im Landesvorstand der JA, Jonas Batteiger, – inzwischen zum stellvertretenden Vorsitzenden aufgestiegen – im Dezember 2016. Seinerzeit bezichtigte er in einem Youtube-Video den Leiter eines Anti-Rassismus-Workshops an der Frankfurter Goethe-Uni unter anderem, zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen zu haben. Das wurde zwar sowohl von Vertretern der Universität als auch von Teilnehmern des Workshops dementiert – doch die von Batteiger und vom JA-Ortsverband geteilte Version der Geschehnisse war dank der Selbstbestätigungsmaschinerie des deutschen Rechtspopulismus bereits weit gestreut und als „Wahrheit“ etabliert.

Dass die aggressivere Gangart der hessischen JA von der Mutterpartei goutiert wird, zeigt sich im Aufstieg ihrer Funktionäre im Parteiapparat. Jan Nolte, Chef der JA Hessen, zog auf Platz 4 der hessischen Landesliste in den Bundestag ein, ist Mitglied des Verteidigungsausschusses. Jonas Batteiger wiederum wurde mit einem Referentenposten bei Hessens AfD-Spitzenkandidatin Mariana Harder-Kühnel belohnt.

Den Samstag allerdings verbrachten beide beim Bundeskongress der JA in Büdingen. Dort hat der Bundesvorstand unter anderem einen internen Putschversuch des niedersächsischen JA-Vorsitzenden Lars Steinke abgewehrt. Steinke war 2017 aus der JA ausgeschlossen worden, hatte dies jedoch angefochten und auch ein Urteil des Bundesschiedsgerichts nicht akzeptiert. Vorgeworfen werden ihm unter anderem Kontakte zur rechtsextremen Identitären Bewegung.

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