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Julius-Rumpf-Preis Urlaub für den Frieden

Das Projekt "Ferien vom Krieg" erhält den Julius-Rumpf-Preis der Martin-Niemöller-Stiftung. Von Stefan Behr

Der Publizist und Friedensaktivist Andreas Zumach ist eigens aus Genf zur Katharinenkirche an die Hauptwache gereist, und der Weg, sagt er, habe sich gelohnt. Obwohl er bereits seit Jahren in den einschlägigen Kreisen unterwegs ist, habe er es bislang irgendwie nicht geschafft, Frank Wolff einmal live am Cello zu erleben. Das hat sich am Samstag geändert. Und allein das, sagt Zumach, sei alle Strapazen wert gewesen.

Doch eigentlich war es nicht der Kunstgenuss, der Andreas Zumach an die Gestade des Mains geführt hat. Er hielt die Laudatio anlässlich der Verleihung des Julius-Rumpf-Preises der Martin-Niemöller-Stiftung an das Projekt "Ferien vom Krieg". Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert. Viel Geld sei das nicht, sagte auch Zumach. Aber eine hervorragende Investition in ein "positives Gegengift", das in Zeiten, "in denen die politische Großwetterlage zusehends schlechter wird".

Freizeit für 20000 Kinder

Seit 1994 bietet die Initiative Jugendlichen aus Kriegs- und Krisengebieten die Möglichkeit, miteinander den Urlaub zu verbringen und sich so besser oder zumindest ein wenig kennen- und verstehen zu lernen.

Mehr als 20000 Kinder aus Israel, Palästina und dem ehemaligen Jugoslawien haben bislang von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Ein Feind, sagte Ingrid Rumpf vom Julius-Rumpf-Stiftungsfonds, bedürfe für seine Existenz auch immer eines Feindbildes. Die Aktion "Ferien vom Krieg" biete die Möglichkeit, ein Freundbild aufbauen zu können.

Die Aktion "Ferien vom Krieg" war - damals noch unter dem Titel "Helfen statt Schießen" - von Hanne und Klaus Vack gegründet worden - den "gradlinigsten Menschen", denen er je begegnet sei, sagte Zumach. Während eine Vielzahl der Friedensaktivisten sich in theoretischen Diskussionen über Krieg und Frieden verloren hätten, seien die Vacks nicht nur der Meinung gewesen, dass man vor allem den Kindern helfen müsse, die ja irgendwann den Grundstein für einen Neubeginn legen müssten. Sie hätten denn auch einfach gehandelt und eine Freizeit für jugoslawische Bürgerkriegskinder organisiert. Die Arbeit für "Ferien vom Krieg wird mittlerweile von Helga Dieter in ihrer Eigenschaft als Koordinatorin des Komitees für Grundrechte und Demokratie gemanagt.

Gründer halten sich bedeckt

Die Vacks saßen heimlich, still und leise in den hinteren Bänken der Katharinenkirche und machten um ihre Personen kein großes Aufhebens.

Der Julius-Rumpf-Preis erinnert an den Wiesbadener Pfarrer Julius Rumpf (1874 bis 1948), Leiter der Bekennenden Kirche in Hessen-Nassau, der 1938 von den Nationalsozialisten mundtot gemacht und aus Wiesbaden ausgewiesen wurde.

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