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Jugendliche in Hessen Weniger Gewalt als gedacht

Eine Kriminalstatistik zeigt einen Rückgang von Straftaten bei Jugendlichen. Therapeuten fordern mehr Vorsorge.

Hessen
Wenn Kinder oder Jugendliche straffällig werden, dann landen sie möglicherweise hier. Foto: Andreas Arnold

Die Jugend hat bei den Älteren seit jeher keinen guten Ruf. Man schaue sich nur die vielzitierten Aussagen von Sokrates, Aristoteles oder Shakespeare zu diesem Komplex an. Aber stimmt es denn nicht, dass die Jugendlichen von heute viel gewalttätiger sind als früher, dass Verbrechen und Brutalität auf den Straßen, in den U-Bahn-Stationen, den Schulen zunehmen?

„Es gibt keinen Anlass für Panik“, sagt dazu Martin Rettenberger, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Tatsächlich nehme die Gewalt bei Kindern und Jugendlichen seit Jahren stetig ab. Rettenberger kann das sehr genau mit Zahlen aus der Kriminalstatistik belegen.
So stieg die Zahl der Gewaltdelikte bei den 14- bis 21-Jährigen bundesweit zwar von 1987 bis zum Jahr 2007 von jährlich rund 350 Fällen je 100 000 Einwohnern auf mehr als 1100 an. Seitdem aber ist die Zahl wieder stark rückläufig. 2015 lag sie wieder bei unter 600, Tendenz weiter fallend.

Woher also der Eindruck, es werde mit den jungen Leuten immer schlimmer? „Die öffentliche Wahrnehmung hat zugenommen, Delikte wie eine schwere Sexualstraftat kommen heute auf die Titelseite, wo sie vor 30 Jahren noch als Meldung auf Seite 5 gestanden hätten“, sagt Rettenberger. Zudem werde heute gerade in den digitalen Medien sehr intensiv berichtet, dazu würden Fotos oder Videos von den Straftaten gezeigt, was die Wirkung der Berichterstattung noch verstärke.

Also alles nur eine Medienblase? Sicher nicht. „Natürlich gibt es diese Fälle, wo im Alltag ganz plötzlich und unerwartet massive Gewalt ausbricht“, sagt der Heilpädagoge Michael Schroiff. Etwa die Jugendlichen, die einen Mann einfach so vor die U-Bahn schubsen, geschehen im Januar in Berlin. Oder andere, die einen Obdachlosen aus Spaß anzünden.

Woher aber diese Gewalt? Etwa auch die, wenn Jugendliche beim ersten Date vom Partner attackiert werden. Oder jene, unter denen Mobbingopfer leiden. Gerade in Schulen nimmt auf dem Schulhof der Umgangston immer rauere Züge an, berichten Lehrkräfte. Und was kann man tun, um die Gewalt weiter zurückzudrängen?

Um darauf Antworten zu finden, hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zu einer dreitägigen Tagung nach Frankfurt eingeladen. Rund 250 Fachleute aus dem ganzen Bundesgebiet diskutieren noch bis Sonntag an der Fachhochschule, woher Gewalt kommt und wie sie eingedämmt werden kann.

„Klar ist, dass kriminelles Verhalten oft schon sehr früh anfängt“, sagt Verbandsvorsitzende Marion Schwarz. Deshalb müsse auch früh mit der Prävention begonnen werden. Psychotherapeuten und Sozialarbeiter sollten deshalb möglichst auch schon in Grundschulen oder Kindertagesstätten eingesetzt werden oder beraten. „Das aber geschieht bislang nur in Ausnahmefällen“, so Schwarz.

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