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Jürgen Schneider Königstein Verliebt in Villa des Bau-Betrügers

Ein Geschäftsmann aus Hongkong hat das frühere Domizil des Bau-Betrügers Jürgen Schneider gekauft. Was er damit anfangen wird, ist noch offen.

Nicht zu übersehen: Die Villa Andreae thront auf einer Anhöhe gegenüber der Königsteiner Burg. Foto: Renate Hoyer

Sie wirkt wie ein Märchenschloss – und märchenhaft waren auch die Geschichten, die der Bauunternehmer und Betrüger Jürgen Schneider in den 80er Jahren leichtgläubigen Frankfurter Bankern auftischte, wenn er sie in seinem Firmensitz in der Königsteiner Villa Andreae empfing, um ihnen millionenschwere Kredite für seine hochfliegenden Projekte abzuschwatzen.

Bekanntermaßen platzte irgendwann die Schneidersche Immobilienblase, die Millionen waren perdu und der schlitzohrige Baulöwe wanderte für mehrere Jahre hinter Gitter. Um die Villa Andreae wurde es ruhig, sie versank in einer Art Dornröschenschlaf, kam in die Zwangsversteigerung und wurde schließlich in den 90er Jahren von dem Unternehmer Helmut Lademacher gekauft.

Und nun wird es wieder ein wenig märchenhaft: Denn die Villa Andreae hat seit kurzem einen neuen Eigentümer, und der stammt aus dem fernen Osten. Der Geschäftsmann Zhu Weiping aus Hongkong hat das eindrucksvolle Gebäude gekauft. Er ist Gesellschafter und Geschäftsführer der „King Merry GmbH“, deren Name bereits auf dem Klingelschild steht.

Der Investor betreibe verschiedene Hotels und besitze weltweit mehrere Immobilien, teilt ein Anwalt aus Frankfurt mit, der den Käufer rechtlich beraten hat. Was mit der Villa Andreae konkret geschehen soll, sei indes noch nicht entschieden.

Art Sommerresidenz?

Es sei möglich, dass Zhu Weiping das repräsentative Anwesen künftig als eine Art Sommerresidenz nutze. Eine andere Option sei der Umbau in ein Luxushotel. Deshalb habe der neue Eigentümer drei Architekturbüros beauftragt, entsprechende Vorschläge zu machen.

Das Motiv für den Kauf sei kein kaufmännisches Kalkül gewesen, sondern eine Gefühlsentscheidung, sagt der Anwalt. Zhu Weiping sei mit seiner Frau in Königstein gewesen, und beide hätten sich „direkt in das Haus verliebt“. Die Idylle des Taunusstädtchens bei gleichzeitiger Nähe zum Flughafen habe das Paar, das vor allem die Häuserschluchten von Hongkong gewohnt ist, nachhaltig beeindruckt. Zum Kaufpreis wollte der Anwalt gegenüber der FR keine Angaben machen. Ende 2009 war das Gebäude noch für 9,8 Millionen Euro angeboten worden. Auf einer inzwischen veralteten Tafel eines Immobilienbüros an der Bad Homburger Kaiser-Friedrich-Promenade wird ein Preis von 6,4 Millionen Euro aufgerufen.

Die Villa sei in keinem besonders guten Zustand, teilt der Anwalt mit. „Es muss einiges gemacht werden.“ Das gelte etwa für die Leitungen, aber auch das Dach. Da das Gebäude unter Denkmalschutz stehe, werde der Käufer möglichst bald den Kontakt zur Stadt aufnehmen, um auszuloten, welche Veränderungen möglich seien.

Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) ist gespannt. Einen direkten Kontakt habe es bislang noch nicht gegeben. „Deshalb kann ich auch noch nichts Konkretes sagen.“ Wenn es nach ihm ginge, könne das Gebäude gerne wieder wie in seinen Ursprüngen als Wohnhaus genutzt werden, so Helm. Manchmal gehen Wünsche ja in Erfüllung – und das nicht nur im Märchen.

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