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Jüdisches Leben Arnsbergpreis für Helga Krohn und André Griemer

Die Lehrbeauftragte der Goethe-Uni erhält 8000 Euro, um ihr Exposé über "Das jüdische Frankfurt nach 1945" in Buchform bringen zu können. Griemert wurde für seine Staatsexamensarbeit ausgezeichnet. Von Susanne Wegner

22.01.2009 00:01
SUSANNE WEGNER
Sie wollen die jüdische Geschichte in Frankfurt wahren: Rosl Arnsberg (li.), Helga Krohn und André Griemert. Foto: FR/Oeser

Als Helga Krohn ein Jazz-Konzert besuchte und den Schlagzeuger beobachtete, wie er sein Solo spielte, dachte sie, dies sei der schwierigste Moment für ihn. Ein paar Tage später steht sie selbst auf einer Bühne und weiß, sie hat das Schwerste noch vor sich: aus ihrer Idee, für die sie ausgezeichnet wurde, ein Buch zu machen.

Helga Krohn ist die erste Hauptpreisträgerin des Rosl-und-Paul Arnsberg-Preises 2008 der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt. Am Dienstag zeichnete sie der Vorstand der Stiftung im Eisenhower-Saal der Goethe-Universität für ihr Exposé "Juden in Frankfurt am Main 1945 bis in die Gegenwart" mit einem Stiftungspreis in Höhe von 8000 Euro aus, um sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen: ein Buch zu schreiben, das nicht nur eine Forschungslücke füllt, sondern auch "gut lesbar ist", so jedenfalls stellt sie es sich vor. Sie plant Interviews mit jüdischen Menschen in Frankfurt, die vom Holocaust und seinen Folgen betroffen sind.

Wann sie das Buch schreiben wird, behält sie noch für sich. "Meine Freude ist mit dem Gefühl gepaart, mein Vorhaben nicht so erfüllen zu können, wie ich es gerne hätte", sagt Krohn. Aber eines ist schon klar: Paul Arnsberg wird darin einen guten Platz finden.

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Krohn mit der Geschichte der Juden in Frankfurt. Seit 1995 ist sie Lehrbeauftragte an der Frankfurter Universität und seit 2005 freiberufliche Historikerin. Die Liste ihrer Bücher und Publikationen ist lang. Sie hat zudem mehrere Ausstellungen des Jüdischen Museums kuratiert. Krohn wurde 1939 in Hamburg geboren, studierte dort und in Bonn Geschichte und evangelische Theologie.

Sie ist nicht die einzige Preisträgerin an diesem Abend. Sie teilt sich den Stiftungspreis mit einem jungen Nachwuchswissenschaftler, der 1980 in Nord-Rhein-Westfalen geboren wurde. André Griemert erhält den Förderpreis in Höhe von 2000 Euro für seine Staatsexamensarbeit mit dem Titel "Bürgerliche Verbesserung der Juden durch Schule und Bildung? Das Frankfurter Philanthropin und die jüdische Emanzipation bis 1816", die er im Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften an der Philipps Universität Marburg schrieb.

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat den Rosl-und-Paul Arnsberg-Preis im vergangenen Jahr erstmalig ausgeschrieben. Widmungsträger sind zwei Bürger Frankfurts, die Großes für das jüdische Leben in dieser Stadt geleistet haben. Paul Arnsberg, selbst Jude, hatte in der Nachkriegszeit historische Forschungen über die Rolle der Juden in Frankfurt und Hessen angestellt und dazu Standardwerke von hohem wissenschaftlichen Rang verfasst. Seine Frau Rosl unterstützte ihn dabei nachhaltig.

An ihrem 100. Geburtstag wurde der Stiftungspreis erstmalig ausgelobt. Die Ehre, die ihr und ihrem Mann damit zuteil werde, war ihr "schönstes Geschenk", sagte Rosl Arnsberg während der Feier. Sie freue sich zudem über das Interesse der nachwachsenden Generationen, das jüdische Leben in Frankfurt wachzuhalten und wünsche sich, dass es "viele vorbildliche Nachahmer in Frankfurt geben möchte", die Geschichte der jüdischen Bürger in dieser Stadt zu bewahren.

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