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Judenhass in Hessen Schändungen bleiben ungeklärt

Sechs jüdische Friedhöfe in Hessen sind seit 2014 geschändet worden. Die Aufklärungsquote ist schlecht.

Jüdischer Friedhof
Der jüdische Friedhof in Hanau (Symbolfoto). Foto: Detlef Sundermann

In Hessen hat es seit 2014 sechs antisemitisch motivierte Schändungen jüdischer Friedhöfe gegeben, in keinem dieser Fälle konnten die Täter ermittelt werden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Petra Pau (Die Linke) hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Die Zahlen, die Friedhofsschändungen von 2014 bis Mitte dieses Jahres in ganz Deutschland behandeln, stammen bereits aus dem August, wurden aber erst jetzt durch einen Bericht des Berliner „Tagesspiegel“ bekannt.

Bundesweit gab es den Angaben zufolge in den dreieinhalb Jahren seit 2014 insgesamt 76 Schändungen jüdischer Friedhöfe, in lediglich vier Fällen wurden die Täter gefunden. Regionale Schwerpunkt gab es demnach in Nordrhein-Westfalen, wo 16 Übergriffe gemeldet wurden, zwölf Fälle gab es in Niedersachsen, neun in Sachsen-Anhalt und acht in Thüringen. Baden-Württemberg und Hessen folgen mit jeweils sechs Fällen. Als einziges Bundesland war Sachsen im Zeitraum seit 2014 nicht betroffen.

Die schlechte Aufklärungsquote spreche „für mangelnde Sensibilität und Schwerpunktsetzung bei Polizei und Staatsanwaltschaft“, sagte Petra Pau dem „Tagesspiegel“. Vermutlich würden manche Angriffe nicht ernst genommen, sondern als unpolitischer Vandalismus abgetan. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte, die Friedhofsschändungen seien „Ausdruck eines menschenverachtenden, tiefsitzenden Judenhasses“. Er gehe davon aus, „dass die Polizei in allen Bundesländern gewissenhaft und intensiv die Täter verfolgt“.

Christoph Schulte, Sprecher des hessischen Landeskriminalamts (LKA), sagte der FR, die geringe Zahl an aufgeklärten Fällen habe vor allem damit zu tun, „dass die Täter, die so etwas machen, unheimlich feige sind“. Da die Friedhöfe oft an abgelegenen Orten lägen und die Täter meist nachts zuschlügen, gebe es selten Augenzeugen. Von umgeworfenen Grabsteinen oder Schmierereien könne man zudem nur schwer auf die Verursacher schließen – zumal Farbschmierereien oft erst Tage nach der Tat entdeckt würden. „Wir müssen immer mit den Tatsachen, die uns vorliegen, ein Ermittlungsverfahren durchführen“, so Schulte. Generell würden Schändungen jüdischer Friedhöfe von den Staatsschutzabteilungen der lokalen Polizeipräsidien bearbeitet. Das LKA komme nur bei Fällen mit besonderer Brisanz ins Spiel.

Ein Sprecher der Frankfurter Polizei sagte der FR, das Problem geringer Aufklärungsquoten gebe es auch bei Fällen von Metalldiebstahl auf christlichen Friedhöfen, die man in letzter Zeit häufiger erlebe. Die Ermittlungen liefen auch dort regelmäßig ins Leere. (mit epd)

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