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Journalist „Wir brauchen Leute wie Ernst Klee“

Die Witwe des Journalisten Ernst Klee übergibt den Nachlass an die Gedenkstätte Hadamar. Klee recherchierte ausführlich zu NS-Morden an Behinderten und Kranken.

Evangelische Akademie Frankfurt | Übergabe Nachlass Ernst Klee | 15.03.2018
Ein Film von 1985 mit einem Interview mit Ernst Klee wurde bei der Übergabe des Nachlasses an den Landeswohlfahrtverband gezeigt. Foto: Peter Juelich

Gelassen, aber in deutlichen Worten spricht der junge Mann mit den dunklen Locken über die Verbrechen des Nationalsozialismus, über die Tötung von behinderten, psychisch kranken, schwachen und anderen Menschen. Es ist Ernst Klee, der 2013 gestorbene Journalist, der am Donnerstagvormittag in den Räumen der Evangelischen Akademie Frankfurt am Römerberg auf dem Bildschirm erscheint.

Die Morde in der hessischen Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg und anderswo seien „nicht nur ein Problem der sogenannten psychisch Kranken“, sagt Klee in dem Fernsehinterview. Die Nazis hätten auch andere Menschen loswerden wollen, die ihnen nicht mehr nützlich erschienen, etwa Altenheimbewohner. „Es hätte jeden erwischt“, macht Klee deutlich.

Der Landeswohlfahrtsverband, die Stadt Frankfurt und Weggefährten wie Klees Verlagslektor Walter H. Pehle erinnern am Donnerstag, an dem Klee seinen 76. Geburtstag hätte feiern können, an das Wirken des Journalisten. Der Anlass: Die Witwe Elke Klee übergibt seinen publizistischen und wissenschaftlichen Nachlass an die Gedenkstätte Hadamar, die vom Landeswohlfahrtsverband (LWV) getragen wird.

Es sind, wie Gedenkstätten-Leiter Jan Erik Schulte schildert, umfangreiche Aktenordner, die nebeneinander mehr als 36 Meter lang wären, dazu Fotos und eine Fachbibliothek mit fast 1500 Bänden. Klee hat, wie sein Lektor Pehle berichtet, akribisch einen Datenbestand zu rund 20 000 Personen gesammelt – Täter, Mitläufer und Opfer. Dabei sei es ihm stets wichtig gewesen, den Blick nicht auf die Taten und das Leiden in der Nazizeit zu beschränken, sondern auch herauszufinden, wie der Lebensweg der Protagonisten in der Nachkriegszeit weitergegangen sei. Viel zu oft, so arbeitete Klee heraus, konnten die hoch belasteten Täter etwa als Ärzte in höchsten Positionen weiterarbeiten.

„Wir brauchen Leute wie Ernst Klee zu allen Zeiten, die uns Beine machen“, betont Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Der Erste Beigeordnete des LWV, Andreas Jürgens (Grüne), spricht von „herausragenden Verdiensten“ des Journalisten.

Der Lektor Pehle, von Haus aus Historiker, weist auf die blinden Flecken in den Geschichtswissenschaften hin, die Klee aufgezeigt habe. Der Journalist habe „bisher verleugnete Kapitel“ der Zeitgeschichte aufgearbeitet. Dabei habe er alle Täter beim Namen genannt. „Mir stand der Schweiß auf der Stirn, wenn ich an die Anwälte dachte.“

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