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Johnny Klinkes Herbstreveue Laut gebrüllt, Tiger!

Frankfurts Polizeipräsident Achim Thiel wird zum heimlichen Star auf der Bühne des Tigerpalasts. Ein Stelldichein der Stadt-Prominenz. Von Stefan Behr

Im Tigerpalast. Foto: FR/Kraus

Das richtige Leben ist viel lustiger als das erdachte, und daher ist der Dienstag- dem Montagabend vorzuziehen. Im erdachten Leben trifft sich am Montagabend in der ARD-Serienschmonzette "Geld Macht Liebe" eine fiktive Frankfurter Stadtgesellschaft auf der Benefiz-Gala einer ebenso steinalten wie nichtsnutzigen Bankiersfamilie. Ein grimmig blickender Baudezernent spinnt seine Intrigen, und am Ende brennt ein falscher Arzt mit dem ganzen schönen Spendengeld durch, sonst passiert nicht viel.

Im wirklichen Leben trifft sich am Dienstagabend die real existierende Frankfurter Stadtgesellschaft zur Premiere der Herbstrevue im Tigerpalast. Ein milde lächelnder Baudezernent steht dort vor der Tür: Edwin Schwarz schaut sich an, wer da alles an den Tigerpalast-Granden Margareta Dillinger und Johnny Klinke vorbeidefiliert: Eva Demski, Hilmar Hoffmann, Andreas von Schoeler, Rupert von Plottnitz. Dass hier irgendjemand mit itgendwas durchbrennt, scheint ausgeschlossen, denn das Auge des Gesetzes wacht an diesem Abend in Gestalt von Polizeipräsident Achim Thiel.

Alles lacht

Erst geht alles seinen gewohnten Gang, Klinke führt launig durch den Beginn des Abends, erzählt von seinem harten Leben, wo er jeden Morgen beim Brötchenholen Hans-Joachim Otto, dem freidemokratischen "Anwalt der Tüchtigen", auf Wahlplakaten begegnet, und abends dann noch dem fleischgewordenen als Premierengast, wo ihm, Klinke, doch ob seiner hallodrigen Lebenswandels stets "tüchtige Anwälte" viel lieber gewesen seien... Da lacht der Otto, da lacht der Klinke, da lacht der ganze Tigerpalast.

Und dann geschieht das Unfassbare. Nach gewohnt meisterhaften Darbietungen betritt ein Österreicher namens Charly Borra rauchend die Bühne, verstößt damit eindeutig gegen das Nichtraucherschutzgesetz und wird von Thiel dennoch nicht zur Ordnung gerufen. Stattdessen ruft Borra Thiel auf die Bühne. Dann erleichtert der Österreicher, offenbar ein versierter Taschendieb, Thiel coram publico um sämtliche Wertgegenstände, schließlich sogar um seine Brille, ohne dass der es merkt. Die Gäste lachen hart an der Herzkaspergrenze, Thiel aber guckt, als habe er aus Versehen mit Rohrfrei gegurgelt, was das Publikum noch mehr verzückt, und den Polizeipräsidenten zusehends ins Hauptwachtmeisterliche und Dimpfelmosersche abdriften lässt.

Die Kirsche tritt nicht mehr auf

In der Pause zerreißt sich die Stadtgesellschaft das Maul, wie komisch Thiel die Einlage wohl wirklich fand, und Klinke hüpft durch die Premierengäste wie ein kleiner Junge, der dem Papst ein Furzkissen untergeschoben hat und dafür einen Schulterklopfer haben will.

Natürlich will Klinke in Wahrheit viel mehr haben als nur einen Schulterklopfer, wie jeder Tigerpalst-Gast weiß. Aber mit Sicherheit ist auch in der kommenden Saison die Qualität der Auftritte jeden Euro Eintritt wert. Nur auf die Kirsche auf dem Sahnehäubchen werden die Gäste der folgenden Shows wohl verzichten müssen. Zumindest konnten sich neutrale Beobachter des Verdachts nicht erwehren, dass sich Achim Thiel nicht einmal mit der Androhung körperlicher Gewalt zu einem weiteren Auftritt mit Charly Borra überreden lassen würde.

www.tigerpalast.de

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