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Johnny Heimes „Das ist der Darmstadt-Spirit“

Ironman-Gewinner Patrick Lange spricht bei der Kampagne „Du musst kämpfen“ von seinem Sieg und der Motivationshilfe durch einen Lilien-Fan.

"Du musst kämpfen"-Talk
Ironman-Gewinner Patrick Lange (Mitte) und sein Manager Jan Sibbersen berichten von ihren Hawaii-Erlebnissen. Foto: Rolf Oeser

Manche Geschichten klingen so unglaublich, die könnte man gar nicht so erfinden – die schreibt eben das Leben so“, sagt Patrick Lange. Der Darmstädter muss es wissen, er hat selbst so eine Geschichte erlebt: Was dem Ironman-Gewinner bei seinem Wettkampf auf Hawaii im Oktober mit einem Lilien-Fan wiederfahren ist, hat seitdem bundesweit die Runde gemacht. Vor Freunden und Förderern der Kampagne „Du musst kämpfen“ für krebskranke Kinder hat Lange sie am Sonntag in der Bar der Kammerspiele im Staatstheater noch einmal erzählt.

Denn das Motto „Du musst kämpfen“ des im März 2016 verstorbenen Kampagnengründers Jonathan „Johnny“ Heimes habe Lange zum Sieg auf Hawaii verholfen. Rund 100 Besucher sind am Sonntagvormittag im Untergeschoss des Staatstheaters versammelt: Während oben das Kinderstück „Die rote Zora“ gegeben wird, befragt unten Moderator Wolf-Dieter Poschmann Lange und andere prominente Sportler zum Ironman und der Kampagne der Kinderkrebshilfe. Auch Lilien-Fan Frank Herrmann ist auf dem Podium, denn der 52-Jährige spielt bei Langes Wettkampf eine besondere Rolle.

Als Lange am 14. Oktober in Hawaii startet, durchlebt er nach eigener Aussage bei der Radstrecke ein Tief. „Im vergangenen Jahr hatte ich eine fünfminütige Zeitstrafe zu absolvieren, weil ich zu dicht an andere herangefahren bin“, sagt er, „ich war also sehr vorsichtig beim Radfahren.“ Sein Manager Jan Sibbersen, selbst erfolgreicher Triathlet, überholt ihn auf dem Rad und ruft ihm noch zu, „Gas zu geben“. „Ich war irgendwie permanent am bremsen und dann wieder am treten: Ich brauchte gut 40 Kilometer, um wieder in den Wettkampf zu kommen“, erinnert sich Lange.

Als Elfter steigt er schließlich vom Rad und beginnt die Laufstrecke, der Rückstand zum Erstplatzierten beträgt da gut zehn Minuten. In einer Kurve sieht er Frank Hermann stehen, der Lilien-Anhänger trägt natürlich ein Trikot seines Lieblingsvereins. „Ich sehe ihn im Lilien-Trikot stehen und dann ruft er mir zu: ‚Johnny ist bei dir‘– das hat mich sehr berührt“, sagt Lange. Es ist still im Saal, als er weiter spricht: „Von da an hatte ich das Gefühl, dass wer von hinten schiebt.“ Lange überholte tatsächlich die übrigen Läufer und stellte zugleich noch einen Zeitrekord auf.

„Ich war ungefähr 1,5 Meilen vom Hotel an der Laufstrecke und wollte allen deutschen Läufern die Zeiten zurufen“, erinnert sich Herrmann. Weshalb er dann genau die Worte rief, weiß er nicht mehr genau. „Das ist eben der Darmstadt-Spirit“, sagt er. Das Lilien-Trikot mit in den Urlaub zu nehmen, war für ihn keine Frage.

Herrmann ist selbst Triathlet, kann aber auch Johnnys Geschichte nacherleben, denn auch er erkrankte an Krebs. Dass er die Kampagne „Du musst kämpfen“ unterstützt, ist für ihn selbstverständlich. Im nächsten Jahr wolle er auch in Hawaii antreten, kündigt Herrmann an und erntet dafür Applaus, aber auch den Zuruf, er brauche dann ein neues Lilien-Trikot. Denn das von Hawaii hat er mittlerweile gemeinsam mit Lange zugunsten der Kampagne „Du musst kämpfen“ versteigert.

Lange kündigte an, die Kampagne weiter unterstützen zu wollen. „Ich bin Johnny nie begegnet, obwohl ich an der Kinderkrebsstation in Frankfurt, an der auch er war, meine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht habe“, sagt Lange. Er ziehe alle Hüte vor den Leuten, die dort arbeiten, sagt er.

Ein neues Projekt der Kampagne ist an der Kinderkrebsstation der Uniklinik Frankfurt angesiedelt, sagt Martin Heimes, der Vater des Kampagnengründers. „Es gibt ein Sportprojekt, eine Sporttherapie, für Kinder während und nach der Chemotherapie – das wird leider nicht von den Krankenkassen übernommen, also zahlt es unsere Initiative“, sagt er. Außerdem unterstützt „Du musst kämpfen“ die psychosoziale Arbeit des Kinderpalliativteams Südhessen. „Seit Start der Kampagne im April 2013 haben wir über eine Million Euro an Spenden gesammelt“, sagt Heimes.

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