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Janich übernimmt "Unwort-Jury" Keine Bange vor bösen Mails

Der Beginn einer neuen Ära: Die TUD-Professorin Nina Janich ist die neue Jury-Sprecherin für das Unwort des Jahres. Sie tritt die Nachfolge von Horst-Dieter-Schlosser an, der vor fast 20 Jahren erstmals Deutschlands schlimmsten Begriff des Jahres kürte.

03.03.2011 21:45
Astrid Ludwig
Nina Janich verkündet das Unwort künftig in Darmstadt. Foto: Arnold

Der Termin fiel immer auf einen Dienstag im Januar. Dann trat Horst-Dieter Schlosser, Sprachwissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität, vor die Presse und schrieb – ganz der Professor – mit Kreide das „Unwort des Jahres“ an eine Tafel. Seit 1992 hat Schlosser das jedes Jahr so gemacht – zuletzt vor wenigen Wochen, als er die Entscheidung der Jury vorstellte, die für 2010 auf „alternativlos“ gefallen war.

Ein Presseheer hat in der Vergangenheit stets das Ereignis in Frankfurt begleitet. Ab 2012 werden sich diese Szenen auf dem Campus der TU Darmstadt abspielen. Nach fast 20 Jahren hat der 73-jährige Begründer der Unwort-Aktion den Stab an seine Jury-Kollegin, die Sprachwissenschaftlerin und TUD-Professorin Nina Janich, weitergegeben.

Die 42-Jährige wird fortan diejenige sein, die Deutschlands schlimmsten Begriff des Jahres kundtun wird. Ob sie wie Schlosser das Wort an eine Tafel schreibt, weiß sie noch nicht. „Bei uns haben gar nicht mehr alle Räume eine Tafel“, sagt sie mit fröhlichem Lachen. „Aber der Dienstag im Januar wird auf jeden Fall bleiben.“

Heftige Reaktionen

Janich ist kein Neuling. Seit zehn Jahren schon arbeitet sie in der sechsköpfigen Jury mit, deren Leitung sie nun übernommen hat. Sie weiß, was auf sie zukommt und gibt unverblümt zu, dass sie sich nicht auf alles freut. Manche Reaktionen auf die Wahl der Jury seien schon sehr heftig ausgefallen, etwa als „Humankapital“ ausgewählt wurde oder der Begriff vom „kollektiven Freizeitpark“ Deutschland von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem zweiten Platz landete. „Das hat für viel Wirbel, böse Mails und sogar einen Anruf der Staatskanzlei gesorgt“, erinnert sie sich. „Professor Schlosser hatte immer einen breiten Rücken.“ Demnächst prasseln die Reaktionen auf ihrem nieder. Bange ist ihr davor nicht. „Wir schauen und prüfen genau, wer was tatsächlich gesagt hat.“ Die Jury versuche bei der Wahl des Unwortes umsichtig zu sein, aber nicht ängstlich. Von möglichen Reaktionen lasse sich das Gremium nicht beeinflussen.

Bis zu 2500 Vorschläge erreichen die Jury jährlich. In ihr sitzen allein vier Sprachwissenschaftler. „Wir diskutieren bis zum Konsens“, sagt die Professorin – bis ein einstimmiges Votum vorliegt, notfalls mehrere Stunden lang. „Alternativlos“, das Unwort 2010, war einer von Janichs Favoriten.

Keine Sprachwächter

Die gebürtige Marburgerin, die in Mainz Germanistik und Literaturwissenschaften studiert hat, lehrt seit 2004 an der TU Darmstadt. Ihr Fachgebiet ist die Sprachkultur, die Fachkommunikation und da vor allem die Analyse der Werbesprache. Das passt inhaltlich perfekt zum Anliegen der Unwort-Jury. Janich begreift ihre Arbeit dort vor allem als Aufklärung und Sprachkritik, betont jedoch: „Wir sind keine Sprachwächter. Wir wollen vielmehr Aufmerksamkeit schaffen für die Art und Weise, wie man spricht.“ Das Unwort ist für sie eine „Rüge für diskriminierenden oder irreführenden Sprachgebrauch“.

Als Germanistin ist die dreifache Mutter an einer Technischen Universität eher eine Exotin. „Aber ich passe hier perfekt hin“, sagt sie. In ihren Forschungsprojekten arbeitet sie interdisziplinär mit anderen Fachbereichen, mit den Physikern oder auch Ingenieuren zusammen. „Wir versuchen, eine gemeinsame Sprache zu finden.“ Im Herbst wird sie als neue Jury-Sprecherin erneut einen Aufruf für Einsendungen zum Unwort des Jahres machen. Die ersten Vorschläge stapeln sich bereits im Post- und Mail-Eingang.

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