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Islamunterricht Islam auf Deutsch

Bei der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts darf Hessen keine Zeit verlieren. Dessen Einführung wird nach Erkenntnissen von Experten mehr als zehn Jahre dauern. Der Grund: Es müssten Hunderte von muslimischen Religionslehrerinnen und –lehrern an deutschen Universitäten ausgebildet werden.

12.11.2011 10:24
Pit von Bebenburg
Islam-Unterricht in der Grundschule. Foto: dpa/dpaweb

Experten haben die hessische Landespolitik ermutigt, Religionsunterricht für Muslime an den Schulen anzubieten. „Wichtig wäre, dass der islamische Religionsunterricht flächendeckend eingeführt wird“, sagte der Osnabrücker Religionssoziologe Rauf Ceylan in der jüngsten Sitzung der Enquetekommission Migration und Integration. Ähnlich äußerte sich der Autor Patrick Bahners, der ein Grundrecht der Muslime auf Gleichbehandlung hervorhob.

Ceylan sagte, es gebe „kein Erkenntnisproblem, aber ein Umsetzungsproblem“. Selbst wenn man jetzt beginne, werde die vollständige Einführung „auf jeden Fall mehr als zehn Jahre dauern“.

Gebraucht würden Hunderte von muslimischen Religionslehrerinnen und –lehrern, die an deutschen Universitäten ausgebildet werden müssten, fügte der Wissenschaftler hinzu. Er halte es für denkbar, dass diese ausgebildeten Theologen nicht nur an die Schulen gingen, sondern auch als Imame in die Moscheen.

Damit könne langfristig verhindert werden, dass die Moscheegemeinden Imame aus dem Ausland holten, denen die europäische Kultur und die deutsche Sprache fremd seien. Derzeit predigten in Deutschland etwa 2.000 Imame, von denen mehr als 90 Prozent aus dem Ausland kämen, die meisten davon aus der Türkei, berichtete Ceylan.

Die Landesregierung sucht derzeit nach Organisationen, die den bekenntnisorientierten Unterricht erteilen könnten. Sie prüft Anträge der Ditib sowie der Ahmadiyyah-Gemeinde, die Anfang des Jahres eingereicht worden waren.

Abgeordnete in der Enquetekommission befürworteten die Anstrengungen. Der CDU-Innenpolitiker Alexander Bauer sagte, Islamunterricht könne „eine Bereicherung des Schulcurriculums insgesamt und eine konkrete Hilfe zur Beheimatung muslimischer Schüler“ sein. Voraussetzung sei aber, dass er in deutscher Sprache stattfinde und sich historisch-kritisch mit heiligen Schriften auseinandersetze. Der CDU-Integrationspolitiker Ismail Tipi betonte: „Hierfür brauchen wir legitimierte Ansprechpartner.“

Der SPD-Integrationspolitiker Gerhard Merz mahnte, man dürfe bei der Einrichtung von Islamunterricht keine weitere Zeit verlieren. Zugleich warnte er vor einer „Islamisierung der Integrationsdebatte“. Probleme von Migranten, die mit schlechten Sprachkenntnissen oder niedrigem Bildungsstand zusammenhingen, dürften nicht mit Religionsfragen vermengt werden, sagte Merz.

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