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Interview „Ohne uns wäre Schule karger“

Die Landesvorsitzende der Fördervereine der Schulen in Hessen, Elke Hauff, wünscht sich mehr Anerkennung der Politik.

Schülerin
Eine Schülerin. (Symbolfoto) Foto: dpa

Schulfördervereine leisten überall im Land eine Arbeit, auf die die Schulen schon lange nicht mehr verzichten wollen und können. Manche arbeiten fast schon wie kleine Unternehmen. Was aber fehlt, ist häufig das Wissen darum, welche gesetzlichen Regelungen gelten. Und auch die Anerkennung durch die Politik lässt zu wünschen übrig. Der Bundesverband der Schulfördervereine lädt deshalb gemeinsam mit dem hessischen Landesverband zu einer Tagung nach Wiesbaden ein. Dort wollen die Verbandsvertreterinnen mit Abgeordneten aus dem Hessischen Landtag darüber reden, wie sich die Situation verbessern lässt. Wir haben mit der Landesvorsitzenden Elke Hauff gesprochen, wo sie Handlungsbedarf sieht.

Frau Hauff, kennen Sie eine Schule, die keinen Förderverein hat?
Nein, ich kenne keine, zumindest nicht bei den allgemeinbildenden Schulen.
 
Warum ist das so?
In den Gründungsunterlagen des Fördervereins der Gutenbergschule in Wiesbaden steht, die öffentliche Hand stelle für gute Bildung immer weniger Geld zur Verfügung, deshalb brauche es die Unterstützung der Schule durch die Eltern. Das war in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ich sehe nicht, dass sich das grundlegend geändert hätte.
 
Ist Geld zu beschaffen die originäre Aufgabe der Vereine?
So fängt es meistens an. Und dann übernehmen diese Vereine häufig immer mehr Aufgaben, und das geht über Kuchenbacken und Schulhofgestalten weit hinaus.

Nennen Sie uns ein paar Beispiele.
Sie helfen bei der Integration von Kindern, indem sie neue Familien an der Schule begrüßen, sie machen die Schule spannender, weil sie Menschen mit anderen Berufen als Lehrer an die Schule bringen, etwa wenn es Berufebörsen zur Information der Schüler und Schülerinnen gibt. Sie schaffen Lernmaterial an, organisieren an vielen Schulen die gesamte Betreuung der Kinder in der unterrichtsfreien Zeit und in den Ferien, bieten Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag an, manche stellen sogar alle zwei Jahre ein Zirkusprojekt auf die Beine.
 
Sie haben sich als Landesverband das Ziel gesetzt, die Vereine zu professionalisieren. Warum das?
Viele Vereine wissen gar nicht, welche Verantwortung sie mit ihrer Tätigkeit übernehmen. Beispielsweise findet eine AG des Vereins in der Schule statt. Wenn dort nun aber etwas passiert, jemand hinfällt und sich verletzt, weil die Betriebssicherheit des Raumes nicht gegeben war, haftet nicht die Schule, sondern der Verein als Veranstalter. Oder die unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse. Viele Vereine beschäftigen Mitarbeiter etwa in der Betreuung. Jemanden korrekt einzustellen und die Sozialabgaben rechtssicher abzuführen, ist gar nicht so einfach. Da mussten manche Vereine schon Tausende von Euro an Sozialleistungen nachzahlen, weil sie eben nicht alle Fallstricke kannten. Dabei gibt es durchaus Wege, wie man als Verein sogar Geld sparen kann. Nur muss man sie kennen.
 
Und die wollen Sie den Fördervereinsvorständen beibringen?
Das ist jedenfalls eine der Aufgaben, denen wir uns als Landesverband stellen. Für das Gelingen gibt es bereits viele Beispiele. Wir bieten dazu Schulungen an oder veranstalten Netzwerktreffen und führen Einzelberatungen durch. Dort sehen viele, dass sie nicht allein sind und von anderen lernen können. Außerdem bieten wir den Schulvereinen ein Versicherungspaket an, das auf deren Bedarfe exakt zugeschnitten und für jeden Verein bezahlbar ist. Bei Gesprächen mit Vorständen sage ich häufig, dass wir im Ehrenamt gerne unsere Zeit zur Verfügung stellen, aber unser privates Vermögen sollte nicht eingebracht werden müssen.
 

Die Schulfördervereine sind offenbar ein unverzichtbarer Bestandteil der Schullandschaft. Wird das ausreichend gewürdigt? Oder fühlen Sie sich von der Politik mitunter auch als Lückenbüßer ausgenutzt?
Ein Teil der Arbeit an Schulen sollte auch weiterhin von Eltern abgedeckt werden, das können die Schulen alles gar nicht selbst und allein machen. Das fängt ja schon bei der Einschulungsfeier an. Am ersten Schultag findet eine kleine Feier statt und dann gehen die Kinder mit ihrer neuen Lehrkraft in die Klassen. Die Vereine laden die neuen Eltern zu Kaffee und Kuchen ein, reden mit ihnen, nehmen sie in die Schulgemeinde auf. Eltern untereinander können natürlich auch viel offener reden als Eltern mit Lehrkräften. Von daher sehe ich die Rolle der Vereine nicht als Lückenbüßer, sondern als ergänzende Bereicherung des Schullebens. Dass die Schule ihren Verein schätzt, steht außer Frage. Von der Politik wird unsere Arbeit aber in der Tat noch nicht ausreichend gewürdigt.

Was wünschen Sie sich da?
Der Förderverein sollte als dritte Säule neben dem Elternbeirat und der Schulkonferenz im Schulgesetz verankert werden.
 
Gibt es eigentlich immer noch genug Menschen, die sich in einem Schulförderverein engagieren wollen, jedenfalls über den meist eher geringen Jahresbeitrag hinaus? Viele andere Vereine haben ja Probleme, die Vorstände zu besetzen.
Das Engagement vieler Menschen wird meiner Erfahrung nach durch die Unsicherheit oder das Halbwissen über die mit den Aufgaben verbundene Verantwortung gebremst. Diese Unsicherheit in Sicherheit und letztlich in Professionalität umzuwandeln, sehe ich als unser vorrangiges Ziel im Landesverband. Solange Dokumente noch im Wäschekorb weitergereicht werden, gibt es auch noch genug zu tun.
 
Sollten die Vereine also nicht nur professioneller arbeiten, sondern auch haupt- statt ehrenamtliche Vorstände bekommen?
Es heißt: Ehrenamt braucht Hauptamt. Und das gilt in jedem Verein, der eine gewisse Größe erreicht und Verantwortung zu tragen hat.

Interview: Peter Hanack

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