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Interview mit Astrid Wallmann "Ein politisches Elternhaus ja - mehr aber auch nicht"

Die Landtagsabgeordnete Astrid Wallmann über Freunde, die sie für die Christdemokraten interessierten, und den Vater als engsten Berater.

01.09.2009 00:09
"Man muss sich im KIaren sein, dass es sich um ein Amt auf Zeit handelt", sagt die Landtagsabgeordnete Astrid Wallmann. Foto: Kraus/FR

Frau Wallmann, Sie sind als Neuling in den Landtag gekommen. Muss man sich da erst einmal hinten anstellen in der Fraktion?

Das ist, als wenn man einen neuen Job im ganz normalen Leben anfängt. Man muss sich mit neuen Strukturen und Abläufen zurechtfinden und lernt neue Kollegen kennen. Jetzt bin ich ein halbes Jahr dabei und fühle mich schon ziemlich angekommen.

Sie hatten schon Anfang März Ihre erste Rede und seitdem noch einige Auftritte im Parlament. Sind Sie vielleicht früher angekommen als andere?

Es hat eher mit den Zuständigkeiten zu tun. Ich hatte das Glück, dass man mir relativ schnell Redebeiträge übertragen hat im Rechts- und Integrationsbereich. Inzwischen habe ich die fünfte Rede gehalten. Das macht für mich vieles einfacher. Eine Kollegin hat mir neulich gesagt, dass sie die letzte Rede vor zwei Jahren gehalten hat. Das ist also wirklich nicht selbstverständlich.

Sind Sie als Politikertochter und Politikernichte mit Politik groß geworden am Küchentisch?

Politik war bei uns immer ein Thema, auch bei den Abendessen, wenn ich mich daran zurückerinnere. Ich habe auch meinen Vater, als er hier Bürgermeister in Wiesbaden war, auf Termine begleitet. Meine Zwillingsschwester und mein älterer Bruder sind aber beide nicht politisch aktiv und nicht Mitglieder in einer Partei. Man kann also nicht sagen, dass mein Weg familiär vorbestimmt war. Politisches Elternhaus ja - mehr aber auch nicht.

Warum haben Sie sich für die CDU entschieden?

Als ich 14 oder 15 Jahre alt war, gab es Freunde, die politisch aktiv wurden. Da gab es welche, die bei den Jungliberalen waren, und welche bei der Jungen Union.

Keine Jusos dabei?

(lacht) Keine Jusos dabei, sonst hätte ich mir die vielleicht auch angeguckt. Insofern bin ich einfach mal zu beiden Vereinigungen hingegangen und habe mir das angeguckt. Mir hat das damals bei der Jungen Union mehr zugesagt. Zum Ende der Schulzeit und in meinen Berufsfindungszeiten war das aber nichts mehr, was ich mit Schwerpunkt betrieben hätte. Als ich beruflich angekommen und wieder nach Wiesbaden gezogen war, habe ich mich neu politisch umgeschaut und Kontakte geknüpft. Ich bin bei der CDU sehr warmherzig aufgenommen worden. Das ist für mich ein entscheidender Faktor. Wer weiß, wie es sonst ausgegangen wäre.

Gibt es etwas, wobei Sie sich ein Vorbild an Ihrem Onkel nehmen, dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann?

Mein Onkel ist ein Ratgeber für mich. Er hat mir immer gesagt - und das versuche ich auch zu beherzigen - dass man dieses Amt mit Respekt behandeln muss. Das gilt nicht nur für einen Ministerpräsidenten, sondern auch für andere Ämter in der Landespolitik. Man ist von Bürgern gewählt. Und man muss für die Bürger da sein. Zudem hat er mich auch gelehrt, dass man sich immer im Klaren sein muss, dass es sich um ein Amt auf Zeit handelt. Und dieser Tatsache bin ich mir absolut bewusst. Daher muss man auch mit Achtung diese Aufgabe wahrnehmen.

Gibt es etwas, das Sie von Ihrem Vater Wilhelm Wallmann, dem ehemaligen Wiesbadener Bürgermeister, gelernt haben?

Genau dasselbe. Dass man mit den Füßen auf dem Boden bleibt, wahrhaftig ist und die Sache ernsthaft betreibt. Mein Vater ist ganz klar mein engster Berater. Es gibt im Politikerleben genau wie im beruflichen Leben Momente, die nicht einfach sind, und wenn man dann einen Ratgeber hat, der einem zur Seite steht, ist das mehr als hilfreich.

Im Landtag haben Sie das neue Nachbarschaftsrecht begründet, das es leichter macht, Klimaschutz am Bau umzusetzen, ohne dass Nachbarn das verhindern können. Das war eine Idee der Grünen. Gibt es mit Ihrer Generation eine neue Offenheit in dieser Richtung?

Ich kann nicht beurteilen, wie unsere Fraktion früher mit diesem Thema umgegangen ist. Ich kann nur sagen, dass wir gerade als Vertreter einer jungen Generation dem Umweltschutz Vorrang geben wollen. Es muss halt nur alles machbar sein. Hier war eine relativ einfach Möglichkeit, dem Umweltschutz den Vorrang zu geben.

Beim verkürzten Gymnasium haben Sie geworben für Entlastungen. Kommt auch da frischer Wind rein in die Fraktion?

Ich gehe generell davon aus, dass Probleme, die einem mitgeteilt wurden, angegangen werden müssen. Bei G8 haben uns Eltern massiv darauf aufmerksam gemacht. Den Fachlehrern fällt es allerdings schwer, wenn sie entscheiden sollen, irgendetwas aus ihrem Gebiet zu streichen. Deswegen ist es wichtig, dass dann von anderer Seite die Frage entschieden wird, ohne die Qualität des Schulabschlusses zu beschneiden. Mir war wichtig, dass wir das tun, und jetzt wird es diese Entschlackung geben.

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