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Internationaler Frauentag Unternehmerinnen unter sich

Ein Interkulturelles Netzwerk möchte die Selbstständigkeit von Frauen fördern. Eine Frau ist schon da und weiß, wie's gelingt. Von Friederike Tinnappel

Weiß, wie man gute Ideen umsetzt: Isinay Kemmler. Foto: FR/Boeckheler

Isinay Kemmler hat ihr eigenes Integrationskonzept: Erfahrungsaustausch und wirtschaftlicher Erfolg. Finanzielle Unabhängigkeit ist für die 41-jährige Unternehmensberaterin "der Schlüssel zur Integration". Deshalb hat sie im April vergangenen Jahres das erste interkulturelle Netzwerk für Unternehmerinnen ins Leben gerufen. Jetzt, zum Internationalen Frauentag, gehen die ersten Projekte an den Start: ein webbasiertes Informationsportal (www.iku-net.org), Workshops über Wachstumsstrategien sind geplant, eine Kunstausstellung und Gespräche, die den Unternehmerinnen-Geist junger Frauen fördern sollen.

Das klingt für einen Verein mit derzeit rund 30 Mitgliedern ziemlich ehrgeizig. Doch Isinay Kemmler weiß, was sie will und weiß, wie sie Ziele zu Erfolgen macht.

Zum Beispiel die rote Tasche. Auf einer Tagung in New York hat sie die "red purse campaign" entdeckt. Sie symbolisiert das Defizit, das Frauen im Vergleich zu den Männern beim Einkommen haben. Die 41-Jährige holte für den Verein "Business and Professional Women" die Idee von Amerika nach Deutschland. Inzwischen outen sich am "Equal Pay Day" viele Frauen durch eine rote Handtasche als Zuwenig-Verdienerinnen - unter anderem auch Bürgermeisterin und Frauendezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Kemmler freut sich, dass das Thema inzwischen auf so großes Interesse stößt. Generell aber findet sie, dass sich Frauen in Deutschland zu wenig in die Politik einmischen.

Auch der Unternehmer-Geist sei in Deutschland eher unterentwickelt. Das Netzwerk soll Migrantinnen Mut machen, sich selbstständig zu machen. Es steht auch deutschen Frauen offen, die lange im Ausland gelebt haben oder mit ihrer Firma international agieren. Erfolgreiche Unternehmerinnen sollen Anfängerinnen helfen, Wachstumspotenziale zu entdecken.

Ungute Konstellationen

Oft aber scheitern Existenzgründerinnen an bestimmten Konstellationen, erzählt Kemmler: der Ehemann zieht nicht mit, die Doppelrolle Beruf und Familie wird zu beschwerlich. Durch das Netzwerk können Existenzgründerinnen erfahren, wie andere Frauen damit umgehen.

Isinay Kemmler selbst hat zwei Kinder, einen 13-jährigen Sohn und eine 19 Monate alte Tochter. Sie weiß die Unterstützung durch ihren Ehemann, ein Anästhesist, zu schätzen. Die beiden haben sich in Marburg kennengelernt, wo die gebürtige Türkin Politik, Volkswirtschaft und Medienwissenschaften studierte. Sie spricht perfekt Deutsch mit einem Hauch eines englischen Akzents. Der stammt noch aus ihren Kindertagen in Istanbul, wo sie eine Schule besuchte, in der grundsätzlich auf Englisch unterrichtet wurde. Ihr Mann hat ihr zuliebe schnell Türkisch gelernt.

In Istanbul schloss Kemmler ein Diplomatenstudium ab. "Ich wollte durch die Welt reisen." In Deutschland musste sie erleben, "dass Türken nicht überall willkommen sind". Sie selbst fühlt sich "nicht als Migrantin, sondern als Weltbürgerin". Ihre Vision ist, dass "die Herkunft keine Rolle spielt", kulturelle Unterschiede als Bereicherung und Potenzial empfunden werden.

Der Internationale Frauentag bedeutet für sie "Solidarität unter Frauen. Davon könnten wir in Deutschland mehr gebrauchen. Dann hätten wir weniger Probleme."

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