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Innenminister Peter Beuth „Wer im Stadion zündelt, geht in den Knast“

1. UpdateInnenminister Peter Beuth will das Abbrennen von Bengalos unter das Sprengstoffgesetz stellen und droht Fans mit drastischen Strafen.

Pyrotechnik wird abgebrannt
Fans von Fortuna Düsseldorf brennen beim Auswärtsspiel im Oktober in Frankfurt Pyrotechnik ab. Foto: Arne Dedert (dpa)

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) will hart gegen Fußballfans vorgehen, die im Stadion Pyrotechnik abbrennen. So sollen bengalische Feuer künftig unter das Sprengstoffgesetz fallen. Wer sie bei einem Fußballspiel entfacht, muss nach Beuths Vorstellungen mit harten Strafen rechnen: „Wer im Stadion zündelt, geht in den Knast.“

Beuth äußerte sich anlässlich der Sportministerkonferenz im saarländischen St. Wendel. Seinen Vorstoß will er bei der Innenministerkonferenz in Magdeburg Ende des Monats auf die Tagesordnung setzen.

Derzeit gilt das Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien als Ordnungswidrigkeit und wird mit Bußgeld bestraft. Nach Beuths Meinung soll eine Änderung im Sprengstoffgesetz künftig eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis vorsehen. „1000 Grad heiße Pyros haben nichts mit Fankultur zu tun“, sagte Beuth. Sie könnten zu „lebensgefährlichen Wurfgeschossen“ werden und seien überdies eine Bedrohung für die Atemwege „unschuldiger Stadionbesucher“. Die Vereine seien nicht in der Lage, ihre Stadien pyrofrei zu halten. Deshalb müsse nun der Staat Konsequenzen ziehen

Tatsächlich spielt das Thema Pyrotechnik in der Statistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei aber nur eine untergeordnete Rolle. In der vergangenen Saison wurden in der Ersten Bundesliga zehn Menschen durch Böller oder Bengalos verletzt, in den oberen drei Ligen waren es 53. Das entspricht einem Anteil von 4,4 Prozent an der Gesamtzahl der Verletzten rund um Fußballspiele in den Profiligen.

Anlass für die Initiative des Innenministers sind unter anderem die Ausschreitungen beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin Ende Oktober. Dabei waren Polizisten und Stadionbesucher durch Bengalos verletzt worden, die Berliner Fans gezündet hatten. Das Dortmunder Fanprojekt hatte daraufhin die Ausschreitungen verurteilt und festgehalten, dass Pyrotechnik in deutschen Stadien verboten ist. Gleichzeitig richteten die Fanvertreter Vorwürfe gegen die Polizei, die in den Berliner Fanblock vorgerückt war: „Eine auf Deeskalation setzende Polizeieinsatzstrategie hätte eine so brisante Situation gar nicht erst entstehen lassen.“

Eintracht-Fans empört

Beuth geht es allerdings nicht nur um Pyrotechnik. Das Land Hessen will sogenannten Problemfans bestimmte Polizeieinsätze künftig in Rechnung stellen. Dafür soll die Verwaltungskostenordnung geändert werden. Beuth geht es vor allem um die Begleitung von Fanbussen durch die Polizei. Randalierer scheuten Fahrten mit dem Zug und mieteten sich stattdessen Busse an, sagte Beuth: „Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass die Polizei diese Problembusse mit großem Aufwand begleitet, damit es auf unseren Autobahnen nicht zu chaotischen Jagdszenen oder auf Rastanlagen zu Massenschlägereien kommt und am Ende der Steuerzahler dafür bezahlt.“

In der Frankfurter Fanszene sorgten die Vorstöße für Empörung. „Dieser Mann ist der größte Schaumschläger und Scharfmacher überhaupt – er hat keine Ahnung, wovon er redet“, sagte ein Sprecher des Nordwestkurverats, der wichtigsten Vertretung von Eintracht-Fans, der FR. Sollten die Fans für die Begleitung von Bussen künftig bezahlen müssen, würden sie eben in Privatautos anreisen: „Jeder Polizist ist froh, wenn wir gemeinsam als Gruppe fahren“, sagte der Sprecher. Das Abbrennen von Pyrotechnik heute mit einem Bußgeld und morgen mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahr zu ahnden, sei gänzlich unverhältnismäßig. Im Übrigen könne Beuth zwar darauf hinweisen, dass Pyrotechnik in Stadion verboten ist. Ob sie zur Fankultur gehört, entscheide aber nicht der Innenminister.

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