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Initiative für Flüchtlinge Sprungbrett in die Arbeitswelt

Mitarbeiter hessischer Unternehmen und Institutionen helfen Flüchtlingen dabei, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie müssen dafür aber eine gute Aufenthaltsperspektive haben und sich auf Deutsch oder Englisch verständigen können.

Opel öffnet seine Tore für Flüchtlinge. Foto: rtr

Er heißt Bascha. Ist 25 Jahre jung, stammt aus Aleppo, spricht gut Englisch, hat vor seiner Flucht an der Uni studiert. „Ihn kennenzulernen ist eine Bereicherung“, sagt Karl-Thomas Neumann. Der Vorsitzender der Geschäftsführung von Opel ist seit einer Woche der Mentor von Bascha. Zusammengebracht hat die beiden die Agentur für Arbeit. Er hat dem Syrer die Opel-Kantine gezeigt, seine Frau dessen Lebenslauf überarbeitet. Als nächstes kommt das Online-Sprachprogramm, die Suche nach einem Praktikum, einem Ausbildungsplatz, einem Job. „Ich würde einen so motivierten Mitarbeiter sofort einstellen“, sagt Neumann. Überzeugt hat ihn der junge Mann, der seit eineinhalb Jahren in Deutschland ist. Jetzt braucht er die notwendige Qualifikation.

„Incharge – for the next generation in charge“ soll ihm diese Chance eröffnen. So heißt die Initiative von Unternehmen und Institutionen in Hessen, die Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt machen will. Mit 80 Paaren hat sie in der vergangenen Woche in Frankfurt und Darmstadt begonnen. Die Mentoren arbeiten bei Opel, Kienbaum, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Sixt, K+S. Ihre Meentees (Protegés der Mentoren) sind Flüchtlinge mit guten Aufenthaltsperspektiven, die sich auf Deutsch oder Englisch verständigen können. Geht es nach Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bilden die 80 nur die Vorhut. Ganz viele Firmen sollen sich mit ihren Mitarbeitern an dem zunächst auf Hessen begrenzte Pilotprojekt beteiligen. Nicht nur Chefs wie Geschäftsführer Neumann sind gefragt. Auch Produktionsmitarbeiter, ein Koch haben Verantwortung für je einen Flüchtling übernommen.

Anreize für Firmen

Es geht nicht um Verpflichtungen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Das freiwillige Programm ist auf zwölf Wochen angelegt, in denen die Flüchtlinge Einblicke in die Arbeitswelt gewinnen, Deutsch lernen und anwenden, Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung, einem Ausbildungsplatz, einem Job erhalten. Incharge will eine Ergänzung zu den Angeboten von Arbeitsagenturen und Jobcentern sein. Die Initiative fängt nicht bei Null an. Die erfahrene gemeinnützige Initiative Joblinge hat die Mentoren vorbereitet, GIZ und die Universität Mainz begleiten das Programm, das im Frühjahr bundesweit beginnen soll.

Incharge sei einer von vielen Bausteinen, die zur Integration der Flüchtlinge beitragen solle, sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). „Die Initiative ist für die Zukunft unserer Gesellschaft von großer Bedeutung.“ Spracherwerb und Erwerbstätigkeit spielten hier eine entscheidende Rolle. Viele Flüchtlinge seien nicht qualifiziert, hätten im Bürgerkrieg keine Chance gehabt, ihre Schule oder ihre Ausbildung abzuschließen. „Nicht einmal jeder Zehnte steht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.“

Nicht zuletzt angesichts des wachsenden Bedarfs an Fachkräften will die Landesregierung dies möglichst schnell ändern. 90 Millionen Euro stellt sie im kommenden Jahr für die Förderung von Sprache um Ausbildung bereit, kündigte Minister Al-Wazir am Mittwoch an. Zudem stellte er jenen Unternehmen finanzielle Förderung in Aussicht, die einen Ausbildungsvertrag mit einem Jugendlichen mit Sprachförderungsbedarf abschließen.

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