Lade Inhalte...

Infektionen in Hessen Hantavirus auf dem Vormarsch

Das Hantavirus breitet sich in Hessen aus. Im vergangenen Jahr wurden 103 Fälle gemeldet. Überträger sind Mäuse.

Tiere in Hessen
Die Rötelmaus, die scheidet’s aus: Sie und andere Wühlmäuse sind für die Verbreitung des Hantavirus verantwortlich. Foto: epd

Die Symptome ähneln oft denen eines grippalen Infekts: Hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Sehstörungen, Husten, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen könnten Anzeichen für eine Hantavirus-Infektion sein. Die von Nagetieren übertragene Erkrankung hat im vergangenen Jahr bundesweit stark zugenommen. Auch Hessen verzeichnet ein starkes Plus und lag im Bundesvergleich an sechster Stelle. 

103 hessische Fälle der meldepflichtigen Erkrankung verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI). Ein Jahr zuvor waren es lediglich sieben. Ein Rekord ist das nicht – 2010 waren im Land 174 Menschen erkrankt, republikweit waren es 2016. Nach Angaben des hessischen Landeslabors vermutlich nur die Spitze des Eisbergs: Der Landesbetrieb geht von „einer unbekannt hohen Dunkelziffer“ aus, weil die Erkrankung manchmal untypische Symptome aufweist, so dass die Infektion diagnostisch nicht erkannt wird.

Spitzenreiter mit 23 Fällen war im vergangenen Jahr der Main-Kinzig-Kreis. Das hatte das Landratsamt bereits im August thematisiert. Der Schwerpunkt liege im ländlich geprägten Ostkreis. Ursache sei das starke Vorkommen von Bucheckern im Herbst vorvergangenen Jahres. Die seien Hauptnahrung der Rötelmaus, die sich angesichts der guten Futtersituation prächtig vermehrt habe.

Eine Einschätzung, die sich mit den Informationen des RKI deckt: „Generell ist es so, dass Schwankungen der Erkrankungszahlen maßgeblich durch die Zahl der Mäuse bestimmt werden, die das Virus ausscheiden, und die Mäusezahl schwankt mit dem Nahrungsangebot“, sagt Pressesprecherin Susanne Glasmacher. Das erkläre die regional sehr unterschiedlichen Risiken. 

Hanta ist eine sogenannte Zoonose, das heißt, eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheit. Ist die Population groß, steigen die Infektionszahlen an, sagen die Experten des Landeslabors. Günstig für die Vermehrung sind milde und schneereiche Winter sowie ein erhöhtes Nahrungsangebot, etwa ein reiches Angebot an Bucheckern, genannt Buchenmast. In Europa und Asien dienen Mäuse und Wühlmäuse den Viren als Wirte. Mit Speichel, Fäkalien und Urin scheiden sie große Mengen an Erregern aus.

In Deutschland sind die Hauptträger die Rötel- und die Brandmaus. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden den Erreger aber lebenslang aus. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt, etwa einen Biss oder das Essen kontaminierter Lebensmittel. Meist jedoch durch Einatmen erregerhaltigen Staubs, etwa beim Reinigen lange unbenutzter Gebäude. Die Zeit zwischen Infektion und dem Auftreten erster Symptome beträgt meist zwei bis vier Wochen. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen