Lade Inhalte...

Im Portrait Der Streiter für den guten Ton

Alois Kottmann lebt für die Musik, seit nunmehr 80 Jahren. Mit seinem Preis fördert er junge Talente, Musiker, deren Spiel nicht nur herausragend ist - sondern auch Persönlichkeit zeigt. Von Kristiane Schengbier

02.11.2009 00:11
Kristiane Schengbier

Ein sanftes Streichen über die Wangen eines jungen Musiktalents, freudige Umarmungen oder herzliches Händeschütteln - wer auf Alois Kottmann trifft, spürt schnell, wofür das Herz des umtriebigen 80-Jährigen schlägt. "Das hört sich pathetisch an, aber ich will die Liebe unter den Menschen mit Musik verbreiten", sagt er.

Drei junge Talente, die 26-jährige Harim Chun aus Süd-Korea, den 22-jährigen Marcus Tanneberger und die erst 20-jährige Célia Schann aus Frankreich, hat er am Samstag mit dem Alois-Kottmann-Preis für klassisches, sangliches Violinspiel ausgezeichnet. Seit 2001 gibt es die Auszeichnung, die mit 3000 Euro dotiert ist. "Ich bin kein reicher Zeitgenosse, ich spare das zusammen", erklärt der Professor h. c. in wenigen Worten, unter die sich ein Hauch von Stolz mischt.

Ihm gehe es in erster Linie darum, der Gesichtslosigkeit in der musikalischen Darstellung und insbesondere beim Geigenspiel entgegen zu wirken. "Bedeutende Geiger kann man am Ton erkennen, aber bei den jungen ist das heute oft nicht mehr möglich. Was man von ihnen hört, ist blendend gespielt, aber ohne erkennbare Persönlichkeit."

Geige muss Zuhörer rühren

Nicht nur Sänger, auch Geiger müssten ihre Zuhörer rühren. "Die Geige ist erfunden worden, weil der Mensch auch darauf singen kann", erklärt er. Es gebe nur zu wenige, die noch rührten.

Kottmann hat seine Ideale und er ist ein Kämpfer. Das Bundesverdienstkreuz trägt er am Revers und natürlich die Ehrenplakette der Stadt. "Ich bin sicher der höchst ausgezeichnete Musiker Hessens. Der Stadt bin ich sehr dankbar für die protokollarische Würde und ihre Wertschätzung, die sie mir entgegen bringt."

Soziales Engagement ist ihm wichtig und natürlich die Förderung junger Geigentalente. Dazu gehört auch sein Kampf um die Erhaltung der Stiftung Dr. Hoch´s Konservatorium. "Ich vermisse nicht nur die Persönlichkeitsförderung in der Ausbildung der Geiger, sondern auch, dass die Stadt sich in ihren Institutionen der Verpflichtung der Pflege der Geigen-Tradition bewusst wird. Und das meine ich nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern aus Liebe."

Täglich übt Kottmann zwei bis drei Stunden auf seiner Violine und nimmt auch in Kauf, dass wenig Zeit für anderes bleibt. "Meine Familie sagt, ich wäre mit der Musik verheiratet." Seine 38 Jahre jüngere Frau, die beiden Töchter und der Sohn leben und lieben selbst die Musik. "Ich verdanke der geigerischen Strenge meine künstlerische Entwicklung", gibt er seinen drei Preisträgern mit auf den Weg. Ans Aufhören denkt er da noch lange nicht. Im Gegenteil. "Dass man gnadenlos seinen Dienst quittieren muss und die Art und Weise, wie man Menschen verabschiedet, gefällt mir nicht." Dann geht es nach Hause - zum Üben natürlich, was sonst.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen