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Im Porträt Mutter für Äthiopien

Seit 1994 hilft Doris Kliehm Menschen in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Sie sammelt Geld für Nähmaschinen, Schulgeld und organisiert Patenschaften. Und sie fliegt persönlich hin, um zu sehen, was nötig ist. Von Silke Schmidt-Thrö

11.03.2010 00:03
Silke Schmidt-Thrö
Sechs Wochen jedes Jahr hilft sie in Afrika. Foto: FR/Andreas Arnold

Ein bisschen abwesend wirkt Doris Kliehm an diesem Tag, als sie vom luxuriösen Clubhaus der Ruderer aus auf den Main blickt. Noch in der Woche davor saß die 70-Jährige nicht auf einem bequemen Holzstuhl, sondern auf umgedrehten Eimern in Hütten. Erst am Sonntag ist sie aus Äthiopien zurückgekommen. "Normalerweise bleibt meine Seele da noch lange sitzen", sagt sie. Zum 15. Mal war sie dort. Es war eine Rückkehr von ihrer zweiten Familie.

Schon seit 1994 hilft sie Menschen in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Sie sammelt Geld für Nähmaschinen, Schulgeld und organisiert Patenschaften. Und sie kommt persönlich, um zu sehen, was nötig ist. "Die Kinder nennen mich manchmal Mutter Doris", erzählt sie. Am Mittwoch hat ihr der International Women´s Club für das Engagement den Elisabeth-Norgall-Preis verliehen. Auch das Bundesverdienstkreuz hat sie schon bekommen.

An diesem Tag baumelt es an ihrem Blazer. Die kurze, praktische Frisur der 70-Jährigen leuchtet in einem leichten Rot. "Eigentlich bin ich nie aus Europa rausgekommen, ich bin nie geflogen", sagt sie. Es war ein Urlaub, der die Mutter von vier Kindern und Großmutter untrennbar mit Äthiopien verbunden hat.

Ein ehemaliger Kollege, der bei "Brot für die Welt" in Äthiopien arbeitete, hatte die Sekretärin vom Internationalen Sozialdienst in das Land eingeladen. Ein ganzes Jahr überlegte sie, dann flog sie mit einer jungen Kollegin. Trotz einer "Riesenangst" vor dem Flug. "Ich habe die Schönheit des Landes gesehen und gleichzeitig die unglaubliche Armut", sagt sie heute rückblickend. Nach sechs Wochen kam Doris Kliehm zurück. Das Land sollte sie aber nicht mehr loslassen. "Ich dachte, das kann so nicht stehenbleiben, diese Armut". Doris Kliehm beginnt deswegen Bekannte zu informieren, Geld zu sammeln. Das erste Mal 4000 Mark. Es folgen viele Aktionen. Aus wenigen Freunden sind 250 Leute geworden, 71 Patenschaften gibt es.

Unterstützt wird Doris Kliehm in Äthiopien von der Meserete Kristos Church. Die Gemeinde vermittelt ihr die Familien, die Hilfe brauchen und Kandidaten für Patenschaften. In Frankfurt hilft die Gemeinde St.Sebastian.

Die "Mittelsfrau" bleibt aber Mutter Doris. Sie ist der Kontrapunkt zu den vielen großen Hilfsorganisationen. Leute, die ihr Geld geben, vertrauen darauf, dass sie diejenige ist, die die Hilfe direkt in die Hütten bringt. Jedes Jahr fliegt sie sechs Wochen nach Addis Abeba, besucht, notiert in ihrem kleinen Notizbuch Matratzen, die gebraucht werden, Verbandsmaterial. Ein Hotel braucht sie nicht. Sie schläft in den Hütten einer schwedischen Mission. "Ich habe mich angepasst", sagt sie. Ihr Mann unterstützt sie daheim, teilt Briefe aus an die Spender. In Äthiopien begleitet sie Abebe, ein Fahrer, auf ihrer Mission.

Angst habe sie nicht, sagt Doris Kliehm. Wenn sie aber von der Armut erzählt, den Waisenkindern, sind ihre Augen gerötet von Tränen. "Manchmal sitze ich auf dem Bett und muss weinen", sagt sie inmitten von blütenweißen Tischdecken. Es sind die Erfolge, die sie antreiben. Das Mädchen, das ihren Doktor macht, das Mädchen , das im Rollstuhl saß und trotzdem Jura studierte. Auch nächstes Jahr will Mutter Doris sie wieder besuchen. Ihre afrikanischen Kinder.

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