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Im Porträt Mitmischen im Bahnhofsviertel

Oskar Mahler hat einen Arbeitsraum für Kreative in der Frankfurter Kaiserstraße geschaffen. In der Kaiserstraße 79 warten 20 Schreibtische darauf, dass Freischaffende und Selbstständige sie nutzen. Von Jana Kremin

26.11.2009 00:11
Jana Kremin
Lässig, aber voller Ideen und Pläne für sein Frankfurter Bahnhofsviertel und die Kreativen drumherum: Oskar Mahler. Foto: Fr/Boeckheler

Licht strömt durch die großen Fenster in der Altbauwohnung im vierten Stock, eine Tastatur klackert, die Kaffeemaschine heizt sich auf. Für ein Großraumbüro ist es außergewöhnlich ruhig hier. Heute arbeitet in der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel nur ein junger Mann an seinem Laptop, zu anderen Zeiten sind mehr Schreibtische besetzt. In der Raummitte sitzt Oskar Mahler an einem alten Kontorschreibtisch - er ist neben Bastian Klein einer der beiden Initiatoren des ersten so genannten Co-Working-Space in Frankfurt.

"Einen innovativen Arbeitsraum für Selbstständige und Kreative schaffen" ist der Grundgedanke des Gemeinschaftsarbeitsraumes. Mahler bevorzugt das englische Wort Co-Working-Space: "Das klingt besser, kreativer." Denn kreativen Menschen aller Art, die er als "digitalen Nomaden" bezeichnet, möchte er einen Raum geben.

Der Mann mit der schmalen Statur war lange Jahre selbst ein Nomade: London, Paris, San Francisco, dann Frankfurt. 1975 kam er hierher - und blieb. Das sei eigentlich nicht geplant gewesen. "Aber die Stadt braucht Menschen, die neue Ideen und Impulse mitbringen". Und die hat der 57-Jährige: 1975 gründete er das Klappmaul Theater, war dort gleichzeitig Regisseur, Puppenspieler und Bildhauer. 30 Jahre und ein Tag später war Schluss damit. Und der gebürtige Bayer eröffnete sein Hammermuseum in der Münchener Straße. Als Kind war er mit dem Klang klopfender Hämmer aufgewachsen, weil seine Großmutter einen Eisenwarenladen in Bayreuth besessen hatte.

Heute legt er auch selbst Hand an, hämmert etwa Texte in riesige Metallblöcke. Buchstabe für Buchstabe. Einige der Metallwerkzeuge trägt er stets bei sich, an seinen ausgefallenen Gürteln mit den großen Metallschnallen. Eines von vielen Markenzeichen.

Auf 270 Quadratmetern Co-Working-Space in der Kaiserstraße 79 warten 20 Schreibtische darauf, dass Freischaffende, Selbstständige und "Menschen auf der Durchreise" sie nutzen. Stillstand und Monotonie kennt Oskar Mahler nicht. Das neue Projekt bezeichnet er als "work in progress", als eine Arbeit, die sich immer weiterentwickelt. "Wir vermieten nur die Räume. Was die Menschen daraus machen, liegt dann in ihrer Hand". Der Ansprechpartner für die Kreativen ist fasziniert vom Unberechenbaren: "Man weiß nie, welche Impulse und Ideen die Menschen, die zu uns kommen, mitbringen", sagt Mahler.

Ein Architekt, eine Messeplanerin und ein Designer sind bereits seit der Eröffnung im Oktober dieses Jahres mit ihren Laptops in der Kaiserstraße eingezogen. Wie lange sie bleiben, entscheiden die Mieter selbst. Minimum sind 24 Stunden, für 20 Euro. Einige bleiben für länger, andere verlassen das Büro in L-Form nach wenigen Tagen wieder.

Wenn Mahler immer wieder von seinem Anliegen spricht, Menschen mit verschiedenen Ideen und Nationalitäten zusammen zu bringen, dann klingt seine Stimme rau. Aber keineswegs langweilig. Wer ihm zuhört, der möchte am liebsten gleich einziehen in sein Großraumbüro, möchte mitspinnen bei seinen Ideen. Seine Hände versuchen zu betonen, was der Mund sagt.

Für Ruhe scheint selten Platz in Mahlers Alltag. Aber wenn sie dann sein soll, dann fährt er mit dem alten Lastenaufzug hinauf aufs Flachdach. Hier oben kann er durchatmen, schaut auf sein Bahnhofsviertel.

Imageberater und Präsident des Treffpunkts Bahnhofsviertel, Vertreter der Interessengemeinschaft zur Förderung von Gewerbe, Kultur, Handel und privatem Grundbesitz - überall mischt Mahler mit, wenn es um das Viertel geht. Hier arbeitet er nicht nur, hier lebt er auch. "Es erinnert mich ein wenig an das Rotlichtviertel Pigalle in Paris, wo ich lange gelebt habe." Vielleicht fühlt er sich deswegen hier, in Frankfurts Rotlichtmeile, einfach Zuhause.

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