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Hundewelpen aus Bad Soden Illegal Hundewelpen verkauft

Schon einmal wurde Martin M. zu einer Geldstrafe verurteilt. Trotzdem verkaufte er weiter illegal Hundewelpen übers Internet. Jetzt läuft bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Ermittlungsverfahren gegen den Bad Sodener.

Hundewelpen
Tierärztin Kirsten Tönnies mit einem toten Hundewelpen. Martin M. hatte ihn verkauft. Foto: Renate Hoyer

Das lukrative Geschäft mit dem Verkauf von Hundewelpen aus dem Ausland betreibt Martin M. schon seit fast 20 Jahren. Anfang 2000 habe sie die ersten Tierpässe in der Hand gehabt, die von dem Bad Sodener Händler stammten und offenbar gefälscht waren, erzählt Tierärztin Kirsten Tönnies, die in Hattersheim ihre Praxis hat. Verzweifelte Hundebesitzer, deren Tiere kurz nach dem Kauf bei Martin M. schwer krank wurden, hätten sie ihr gebracht. Meist stammten die Papiere aus der Slowakei. „Zusammengepasst hat da überhaupt nichts. Teilweise lag das Datum der Impfeinträge noch vor dem Geburtsdatum der Welpen“, erzählt Tönnies. 

Als sie den zuständigen Veterinärarzt im Hofheimer Landratsamt die offensichtlich manipulierten Pässe zeigte, habe der nur mit den Schultern gezuckt. Unternehmen wollte er nichts. Aus ganz Deutschland habe es damals Beschwerden über Martin M. gegeben, der mit Unterstützung osteuropäischer „Vermehrstationen“ den Handel mit Welpen ganz offensichtlich gewerblich betrieb. 2013 waren so viele Anzeigen eingegangen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft schließlich doch aktiv wurden. Martin M. erhielt einen Strafbefehl wegen Ordnungswidrigkeiten nach dem Tierschutzgesetz und musste 2000 Euro Bußgeld bezahlen.
Der illegale Welpenhandel in M.s Bad Sodener Wohnung ging trotzdem weiter. Bei einer Hausdurchsuchung im November 2017 fanden die Beamten sieben Chihuahua- und zwei Malteserwelpen, die in einem erbärmlichen Zustand waren. Auch neun slowakische Tierpässe wurden sichergestellt, ebenso Computer und Handys. 

Zu den Vorwürfen, er handle illegal mit Hundewelpen, machte der 39-Jährige keine Aussagen. Auch ein mutmaßlicher Komplize schwieg. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ist dem Hundehändler aus Bad Soden aber weiterhin auf der Spur. Gegen Martin M. werde aktuell wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt, bestätigte ein Behördensprecher auf FR-Anfrage. 

Ob Martin M. die staatsanwaltlichen Ermittlungen, die gegen ihn laufen, davon abhalten, weiterhin Welpen aus dem Ausland zum Verkauf anzubieten, lässt sich schwer sagen. Denn bisher hat er, wie fast alle illegalen Tierhändler, seine Geschäfte über die Internetplattform eBay-Kleinanzeigen abgewickelt. Wer sich dort als privater Verkäufer anmeldet, muss weder Name noch Adresse angeben und bleibt so praktisch anonym.

Für die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ ist das ein unhaltbarer Zustand. Dem illegalen Handel mit Hundewelpen werde damit Tür und Tor geöffnet, kritisiert Birgitt Thiesmann von der international agierenden Stiftung. Mehrfach hat Vier Pfoten schon die Wege nachgezeichnet, die übers Internet angebotene Welpen nehmen: In Osteuropa werden die Hunde „unter unhygienischen Umständen produziert“ und viel zu jung von ihren Müttern getrennt.

Anschließend werden sie mit falschen Impfpässen ausgestattet und im Kofferraum eines Autos über Hunderte Kilometer bis nach Deutschland transportiert. Wenn sie ein Händler wie Martin M. ahnungslosen Kunden anbietet, sind die Welpen oft schon so krank, dass sie die nächsten Wochen nicht überleben.

Vier Pfoten fordert eine verpflichtende Identitätsprüfung für Verkäufer der Tierkategorie und hat dazu eine Online-Petition gestartet. Weit über 200.000 Menschen haben bereits unterschrieben. 
Der Pressesprecher von eBay-Kleinanzeigen, Pierre du Bois, sieht indes nicht das Online-Verkaufsportal in der Pflicht, sondern ortet ein Versagen der Behörden. Beim Grenzübertritt würden illegale Tiertransporte nicht kontrolliert, Veterinärämter und Strafverfolgungsbehörden seien zu wenig aktiv, sagte er der FR. Eine verpflichtende Registrierung mit Name, Anschrift und Kontonummer des Händlers bei eBay-Kleinanzeigen würde das Problem nicht lösen, ist du Bois überzeugt. „An die Drahtzieher kämen wir auf diese Weise mit Sicherheit nicht ran.“ Die Internetplattform überprüfe laufend die Angebote in der Kategorie „Haustiere“. Auffällige Anzeigen würden gelöscht. Privatanbieter könnten nur ein Mal pro Jahr ein Tier verkaufen. Tiere aus dem Ausland dürften nicht angeboten werden, ebenso wenig Hunde, die jünger als acht Wochen seien. 

Tierärztin Kirsten Tönnies indes ist überzeugt, dass, wer illegal mit Welpen handelt, all diese Kontrollen im Netz problemlos umgehen kann. Etwa indem er sich mehrere Identitäten zulegt und prinzipiell nur über eine Mobilnummer erreichbar ist, so dass keinerlei Spuren hinterlassen werden. 

Sie habe schon von Fällen gehört, wo potenzielle Hundekäufer zu Parkplätzen gelotst und ihnen die Welpen gegen Barzahlung einfach in die Hand gedrückt wurden – ohne Kaufvertrag. Um Ausreden seien die Händler dabei nicht verlegen. „Da läuft ein ausgeklügeltes Täuschungsprogramm“, sagt die Tierärztin. Und es werde mit den Emotionen der Menschen gespielt. „Wenn Sie erst mal einen kleinen Hund im Arm halten, der süß guckt, wollen sie ihn nicht mehr hergeben.“

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