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Hühner in Hessen Männer und ihre Hühner

Immer mehr Menschen in Hessen entscheiden sich, selbst Hühner zu halten. Aber Fuchs, Habicht und Marder machen es ihnen nicht immer leicht.

Hühner
Bruno Piberhofer rupft seinen Hühnern frisches Gras und kocht ihnen manchmal sogar Nudeln. Foto: Meike Kolodziejczyk

Gackernd und glucksend machen sich die Hühner über die trockenen Körnerbrötchenbrösel her. Der Boden ist matschig vom Schnee und Regen der vergangenen Wochen. Zaghafte Sonnenstrahlen fallen durch die kahlen Bäume und lassen das Gefieder der Vögel schimmern. Elf braune, schwarze, weiße und gesprenkelte Hennen picken und scharren munter durcheinander. Die Menschen, die zwischen ihnen durchs Gehege steigen, beeindrucken sie in keiner Weise.

„Solche Hühner hatten wir noch nie“, sagt Kurt Kolo. „Die sind ganz zutraulich und lassen sich sogar streicheln.“ Mit beiden Händen packt er behutsam eine braune Henne und nimmt sie auf den Arm. Sie schaut kurz etwas verwirrt aus den Federn, lässt es sich aber gefallen, ohne Zappeln, ohne Hacken. Ruhig blickt sie von ihrer erhabenen Position aus umher, reckt den Hals und wiegt den Kopf. 

So entspannt und idyllisch ist es nicht immer zugegangen in dem weitläufigen Hühnergehege im Hintertaunus, seit Rainer Brechtel, Kurt Kolo und Bruno Piberhofer vor ungefähr zehn Jahren beschlossen, gemeinsam Federvieh zu halten. Die drei Männer hat es viel Mühe und Nerven gekostet. Und etliche Hühner das Leben. Denn wer in der Natur und in größtmöglichem Einklang mit ihr und den Tieren eigene Eier erzeugen will, muss eine Menge beachten – und auf noch mehr gefasst sein.

„Wir haben eigentlich jeden Fehler gemacht, den man machen kann“, sagt Bruno Piberhofer. Von ihm stammt die Idee mit den Hühnern. Nachdem er mehrere Dokumentationen über Massentierhaltung im Fernsehen gesehen hatte, wollte er etwas ändern, und sei es wenigstens für den Hausgebrauch. „Ich dachte mir: Ich lebe auf dem Land, da kann ich doch selbst Hühner halten und dafür sorgen, dass sie mit Respekt behandelt werden.“ Beim Lauftreff erzählte er von seinem Plan: Rainer Brechtel und Kurt Kolo, wie Piberhofer damals beide Mitte fünfzig, waren sofort begeistert. 

Da keine der drei Gattinnen den heimischen Garten in einen Hühnerpferch umwandeln lassen wollte, pachteten die Männer ein Grundstück direkt am Waldrand ihres Wohnortes Altweilnau. Knapp 300 Quadratmeter, leichte Hanglage, mit Bäumen und Sträuchern. Sie umzäunten die Hälfte des Geländes mit Maschendraht, stellten ein Holzhäuschen auf, strichen es hübsch an und richteten den Stall ein. Drei Männer und ihre Hühner. Sie lasen Bücher, informierten sich im Internet, holten sich Tipps von einem Landwirt und Geflügelzüchtervereinsvorsitzenden aus dem Nachbardorf. Dann war es so weit. Zwölf Legehennen und ein Hahn bezogen das Gehege. Doch ihr Glück währte nicht lange.

Zuerst kam der Fuchs. „Der hat sich unter dem Zaun durchgegraben“, erzählt Piberhofer. Er riss zehn Hennen und den Hahn, die meisten zog er aus dem gebuddelten Loch heraus und schleppte sie weg, die anderen lagen in Blut und Federn im Pferch. „Es war ein schrecklicher Anblick.“ Zum Schutz vor dem Fuchs trieben die Männer Steinplatten einen halben Meter tief in die Erde. Im nächsten Frühjahr holten sie sich neue Hühner.

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