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HPV-Vorsorge Die Schulimpfung bleibt ein Modellprojekt

Das Land Hessen will die freiwillige Schulimpfung nicht einführen; zunächst soll nur die Aufklärung forciert werden. Dabei gibt es schon gute Erfahrungen mit dem Projekt zur Vorsorge gegen HPV-Erreger.

Schulimpfung
Die Impfkommission hofft auf eine landesweite Einführung der freiwilligen Schulimpfung. Foto: imago

Claus Köster freut sich über die Rückendeckung: „Endlich gibt es die öffentliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission.“ Jetzt, so hofft der Arzt, werde die Landesregierung das Modellprojekt zur HPV-Impfung im Kreis Bergstraße nicht alleine mit Worten unterstützen, sondern auch mit Taten: der landesweiten Einführung der freiwilligen Schulimpfung. Doch aus dem hessischen Sozialministerium kommen andere Signale: Das südhessische Projekt werde zunächst nicht eins zu eins übernommen, sagt Sprecherin Esther Walter der Frankfurter Rundschau. „Wir wollen im ersten Schritt vom Frühjahr an hessenweit informieren, dass man sich an die niedergelassenen Ärzte wenden soll.“

Es geht um den Humanen Papillomvirus (HPV), der unter anderem durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. In nahezu 100 Prozent ist er für Gebärmutterhalskrebs ursächlich. Seit 2014 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Impfung für Mädchen. Jetzt hat die Ständige Impfkommission (Stiko) empfohlen, auch Jungen zwischen neun und 14 Jahren impfen zu lassen. Einige Krankenkassen haben bereits angekündigt, die Kosten zu übernehmen, darunter die AOK Hessen. Er gehe davon aus, dass künftig alle zahlen, sagte Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU).

Zugleich rief er dazu auf, sich zu informieren: „Ich appelliere an die Eltern, sich über diesen Impfschutz beraten zu lassen und ihre Kinder damit vor HPV wirkungsvoll zu schützen.“ Das Virus könne bei Männern ebenfalls verschiedene Krebsarten auslösen. „Derzeit prüfen wir, wie wir die hessische Impfstrategie weiter verbessern und die Schulen insgesamt besser erreichen können“, kündigte er an.

Was Grüttner in der Mitteilung nicht erwähnt: Im Kreis Bergstraße gibt es seit 2015 bereits ein erfolgreiches Modellprojekt, das der ganzen Republik zeigt, wie es funktionieren kann, sagt Claus Köster vom Gesundheitsnetz Rhein-Neckar. Der Arzt leitete es, Förderer sind der Bund, die Krebshilfe, die Dietmar-Hopp-Stiftung und die Stiftung Deutsche Krebsgesellschaft. Ein Dutzend Schulen sind daran beteiligt. Der Ansatz ist ganz einfach, sagt Köster: „Wir gehen zu den Elternabenden und klären auf.“ Die Impfung werde später dann in der Schule angeboten. Sein Fazit: Die Uninformiertheit sei das Problem, nicht die viel zitierte Impfmüdigkeit.

80 Prozent aller Mädchen in den beteiligten Schulen seien freiwillig geimpft. Eine ähnliche Rate erhofft er sich bald bei den Jungen. Auch Fulda wolle ein Projekt starten – und Mannheim. Solche Initiativen dürften nicht alleingelassen werden, fordert der Arzt: „Der Bund müsste das unbedingt koordinieren und die Länder ein bisschen mehr an die Hand nehmen.“

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