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Honeywell in Maintal Honeywell-Mitarbeiter kämpfen um Zukunft

100 Beschäftigte des Technologiekonzerns Honeywell protestieren in Maintal (Main-Kinzig-Kreis) gegen die Schließung ihres Werks und erwägen Streiks.

Protestkundgebung
Viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten in der Firma. Foto: Monika Müller

„Stop the bullshit! Stop the bullshit!“, skandieren die Honeywell-Mitarbeiter, damit es ihre US-amerikanischen Konzernbosse auch verstehen. Dann blasen sie in ihre Trillerpfeifen. Die Wortwahl, ob auf den Transparenten oder in den Ansprachen vor dem Werk, ist mehr als deutlich: „Viele Managementfehler wurden gemacht. Den letzten werden wir mit allen Mitteln verhindern.“ Oder: „Der Kuschelkurs ist vorbei. Maintal kämpft.“

Die Sparte Aerospace des Technologiekonzerns hatte im Dezember 2016 angekündigt, den Maintaler Standort Ende 2019 zu schließen, und einen Sozialplan sowie einen Interessenausgleich zugesichert. Der Schritt solle die Rentabilität sichern, hieß es. Mehr als 100 Beschäftigte würden ihre Arbeit verlieren.

Bei der Protestaktion am Freitag – direkt vor Gesprächen über ihre Zukunft – waren sie so gut wie vollzählig. Ihre Vertreter von der Gewerkschaft begleiteten sie bis zum Verhandlungsraum, und zwar lautstark. Klaus Fuchs, seit gut 30 Jahren für Honeywell im Einsatz, ist genauso wütend über die Schließung wie alle anderen. Er berichtet, dass so viele Anfragen eingingen wie lange nicht mehr. Der Verdacht: „Wir sollen ausbluten.“ Ähnlich äußert sich ein Kollege: Die Nachfrage sei hoch, doch das Management verhindere, dass Aufträge bearbeitet werden. Sie wundern sich, dass der Konzern viele Jahre nicht in den Standort investiert, auf angebliche finanzielle Probleme stets mit Entlassungen reagiert habe – und nun genug Geld da sei, um Millionen für Abfindungen auszugeben.

In Maintal werden unter anderem Steuerungs- und Navigationssysteme produziert, etwa für Bahnanlagen sowie die Luft- und Raumfahrt. Mit ungefähr 1500 Beschäftigten war Honeywell lange einer der größten Arbeitgeber im Kreis. Doch im Laufe der Jahre wurden die Stellen nach und nach gestrichen.

Honeywell ist ein internationaler Technologie-Mischkonzern mit Hauptsitz in Morristown (New Jersey) und mehr als 300 Standorten weltweit. Aufgrund der in Vietnam eingesetzten Splitterbomben, die es herstellte, wurde das Unternehmen scharf kritisiert. Auch Maintal produziert für die Rüstungsindustrie.

Robert Weißenbrunner, erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda, spricht von zahlreichen Managementfehlern, die wieder einmal die Belegschaft ausbaden müsse. Er ist überzeugt: Zumindest ein Teil der Arbeitsplätze, für besonders gefragte Produkte, könnte erhalten bleiben. Deshalb wollen die Arbeitnehmervertreter der Geschäftsführung Alternativen für eine Schließung aufzeigen. Doch die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen, existiert offenbar nicht. Auch deshalb sei das Vertrauen ins Management zutiefst erschüttert.

Weißenbrunner räumt ein, dass er den Beschäftigten nicht viel versprechen könne - außer mit aller Kraft zu kämpfen. Sollte das Werk geschlossen werden, werde man es für den Konzern so teuer wie möglich machen. Er sei verpflichtet, Verantwortung für die treuen Mitarbeiter zu übernehmen. Mehr als die Hälfte von ihnen ist über 50. Die Gespräche seien ohne Ergebnis zu Ende gegangen, berichtet Weißenbrunner am Nachmittag. Die Positionen lägen weit auseinander.

Die FR hat Reinhard Acker, den Maintaler Geschäftsführer von Honeywell, um eine Stellungnahme gebeten - auch zu den konkreten Vorwürfen, etwa dass aktuelle Kundenanfragen nicht bearbeitet werden dürften.

Die allgemein gehaltene Antwort kam von Scott Sayres, dem Honeywell-Kommunikationsdirektor in den USA. Er teilt mit: Den Standort zu schließen, sei eine Entscheidung, „die uns nicht leicht gefallen ist“. „Uns ist bewusst, dass diese Entscheidung bedauerlicherweise unsere Mitarbeiter betrifft, die wir sehr wertschätzen.“ Das Management habe „sorgfältig alle Optionen geprüft“ und konzentriere sich darauf, „in einer herausfordernden Branche wettbewerbsfähig zu bleiben“. Das Unternehmen arbeite mit Betriebsrat und Gewerkschaftsvertretern an einem Interessenausgleich und einem Sozialplan, unter Beachtung aller Gesetze. Das nächste Treffen sei für den 4. August geplant.

Die Gewerkschaft und die Beschäftigten fassen derweil ein weiteres Mittel im Kampf um ihre Zukunft ins Auge: Sie erwägen, einen Sozialtarifvertrag zu fordern. In einem solchen Vertrag werden geplante Betriebsänderungen geregelt und ein Ausgleich geschaffen für Nachteile, die sich für die Belegschaft ergeben könnten.

Der Vorteil: Wer über einen Sozialtarifvertrag verhandelt, dem bietet sich rechtlich die Möglichkeit zu streiken – und mehr Druck auszuüben.

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