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Homosexuelle in Hessen Ausstellung erinnert an Diskriminierung von Homosexuellen

Hessen erinnert an verfolgte Homosexuelle und würdigt ihre Emanzipationsbewegung mit einer Ausstellung im Landtag. Zur Eröffnung kommt ein ganz besonderer Gast.

Homolulu-Demo 1979
Die Homolulu-Demo 1979 in Frankfurt war bundesweit ein Meilenstein. Foto: Archiv Schwules Museum, Berlin

Eine Ausstellung wie jene, die am Mittwoch im Landtag eröffnet wurde, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Bis in die 70er Jahre wurde einvernehmlicher Sex zwischen Männern in Deutschland unter Strafe gestellt. Jetzt ehrt die hessische Politik die Emanzipationsbewegungen der lesbischen Frauen und schwulen Männer.

Aus heutiger Sicht mute es unglaublich an, dass der Anti-Schwulen-Paragraf 175 erst 1994 endgültig aus dem Gesetzbuch gestrichen worden sei, sagte Antidiskriminierungs-Staatssekretär Kai Klose (Grüne). Den Opfern der strafrechtlichen Verfolgung in Hessen ist die Ausstellung mit dem doppeldeutigen Titel „Unverschämt“ gewidmet.

Sie arbeitet heraus, wie viele Menschen betroffen waren. Gegen 12 284 Personen sei von 1953 bis 1985 ermittelt worden, sagte der Historiker Marcus Velke. Darunter seien 49 Kinder gewesen, die als Täter geführt worden seien. Auch Ermittlungen gegen fünf Frauen hätten sich gefunden, obwohl der Paragraf 175 ausdrücklich gegen Homosexualität unter Männern gerichtet gewesen sei.

Velke hat die Geschichte der Repression gemeinsam mit Kirsten Plötz recherchiert. Das Schwule Museum Berlin machte im Auftrag der hessischen Landesregierung eine Ausstellung daraus, die nun durch Hessen touren soll. Den Auftrag dazu hatte der Landtag bereits 2012 beschlossen – mit den Stimmen aller Fraktionen.

Mit der Ausstellung trage man dazu bei, dass die Schicksale der Betroffenen „nicht verschwiegen und niemals wieder vergessen werden“, sagte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) zur Eröffnung. Der letzte Überlebende des berüchtigten Frankfurter Homosexuellen-Prozesses von 1950 bis 1952, der 99-jährige Wolfgang Lauinger, nahm daran teil.

In der Ausstellung geht es auch um die gesellschaftliche Ächtung lesbischer Frauen. Sie seien etwa durch das Ehe- und Familienrecht drangsaliert worden, sagte Historikerin Plötz.

Man habe zugleich Wert darauf gelegt, homosexuelle Menschen nicht nur als Opfer von staatlicher Repression darzustellen, betonte Birgit Bosold vom Schwulen Museum Berlin. Daher werde „die Geschichte der Emanzipationsbewegung sehr stark gemacht“.

So fällt der Blick in der Ausstellung auf das große Bild einer bunten Demonstration mitten in Frankfurt. Es zeigt eine Szene der Festwoche „Homolulu“, an der im Juli 1979 mehr als 1000 Menschen teilnahmen – die größte Aktion, die es bis dahin in der Bundesrepublik für die Rechte von Homosexuellen gegeben hatte.

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