Lade Inhalte...

Holocaust in Hessen Grabstätten von NS-Opfern sollen bleiben

Landtag und Regierung in Hessen sprechen sich für den Erhalt der Gräber von Nazi-Opfern aus. Grabstätten von verfolgten Roma und Sint werden oft geräumt.

Erinnerungstafel an ermordete Sinti und Roma in der Braubachstraße in Frankfurt. (Symbolbild) Foto: Andreas Arnold

Der hessische Landtag hat sich dazu bekannt, die Gräber der Opfer nationalsozialistischer Gewalt zu erhalten. Die Nazis hätten nicht nur die Menschen töten, sondern auch die Erinnerung an sie zerstören wollen, sagte der CDU-Abgeordnete Tobias Utter in einer Debatte am Mittwochabend. Gerade deshalb müsse die Erinnerung an die Menschen bewahrt werden.

Der SPD-Politiker Corrado Di Benedetto nannte es „erschütternd, dass unzählige Gräber von Opfern der Nationalsozialisten Tag für Tag entsorgt werden“. Politiker aller Parteien bedauerten, dass insbesondere Grabstätten von Sinti und Roma, die Nazi-Opfer waren, geräumt würden.

Sie fielen häufig nicht unter den Schutz des Gräbergesetzes. Danach werden die Ruhestätten von Toten nur dann staatlich geschützt, wenn sie bis 1952 an den Folgen ihrer Verfolgung durch die Nazis gestorben sind.

Das Land stellt in diesem Jahr 50 000 Euro für den Erhalt der Grabstätten der Sinti und Roma als NS-Verfolgte bereit. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) äußerte aber auch die Bitte, dass sich die Kommunen der Gräber der Betroffenen annehmen. Die Grabpflege helfe Sinti und Roma dabei, ihre „kulturelle Identität“ zu bewahren.

Die Regierung habe zudem „die Hoffnung auf eine Lösung auf Bundesebene nicht aufgegeben“, fügte Grüttner hinzu. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe diesen Wunsch in einem Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier (CDU), bekräftigt. Nun liege die Sache bei Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). „Wir unterstützen alles, dass die wenigen Gräber, die es noch gibt, gepflegt und erhalten werden“, fügte Marcus Bocklet (Grüne) hinzu.

Vorschlag für Schulklassen

Der FDP-Abgeordnete Jörg-Uwe Hahn warb dafür, dass Schulklassen Gedenkstätten für NS-Opfer besuchen, um die Erinnerung an die Schandtaten wachzuhalten. Es gebe in Hessen sehr viele solcher Gedenkstätten – „von Hadamar bis Guxhagen“, fügte Hahn hinzu. „Da braucht man gar nicht weit zu fahren.“ Er habe sich in seiner Zeit als Justizminister vergeblich dafür eingesetzt, eine solche Fahrt zum Pflichtprogramm für Schulen zu machen, berichtete der FDP-Politiker.

Der Linke Willi van Ooyen verband die Debatte mit einer Klage darüber, dass Roma und Sinti heute besonders zu leiden hätten unter einer „rassistischen Abschiebepolitik“. Sie seien die Hauptleidtragenden der Einstufung von Albanien, Kosovo und Montenegro als sogenannte „sichere Herkunftsländer“. Die CDU empörte sich über den Begriff „rassistisch“, der jedoch von der amtierenden Landtagspräsidentin Heike Habermann (SPD) nicht gerügt wurde.

„Auch heute noch werden Sinti und Roma, wie schon seit Jahrhunderten, ausgegrenzt und mittels Rassenideologien diffamiert“, sagte van Ooyen. Es sei „eine bittere Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Sinti und Roma, die als Minderheiten in der Vergangenheit so viel Elend erduldet haben, jetzt wieder von der brutalen Abschiebepraxis am meisten betroffen sind“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen