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Höchst Zeitbombe unter der Justinuskirche

Während in luftiger Höhe bald ein neues Schieferdach prangen wird, macht Wasser unter dem Bauwerk die Fachleute nervös. Von Annegret Schirrmacher

27.04.2009 00:04
ANNEGRET SCHIRRMACHER
Bauarbeiter an der Justinuskirche in Frankfurt-Höchst. Foto: FR/Arnold

Der Schock vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs in den ausgehöhlten Untergrund sitzt tief. Zu tief, als dass die Freunde der Höchster Justinuskirche bei dieser Nachricht nicht zusammenzucken würden. Denn während zurzeit die Dachdecker im Rekordtempo das Schieferdach der ältesten Frankfurter Kirche sanieren, tickt unter dem Sakralbau womöglich eine Zeitbombe.

Dass unter der kleinen Kirche eine Quelle sprudelt, wussten die Fachleute schon länger. Dass aber in einem unterirdischen Revisionsschacht größere Wassermengen stehen, wirkt bedrohlich auf alle Beteiligten - vom Denkmalamt der Stadt über den Verwaltungsrat der Höchster Gemeinde St. Josef bis zur Stiftergemeinschaft Justinuskirche und dem Verein für Geschichte und Altertumskunde.

"Das Wasser muss raus", berichtet Hans-Georg Fröhlich vom Verwaltungsrat der St. Josefsgemeinde. Um "Kölner Verhältnissen" vorzubeugen, wird ab Montag, 4. Mai, die Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst, die Infraserv, das Wasser abpumpen - und zwar ganz langsam, um die Statik des Gebäudes nicht zu gefährden.

Außerdem untersuchen Fachleute das Pumpwasser auf Sediment, um herauszufinden, ob das Wasser tragfähige Substanz gelöst hat. "So wird das Wasser zuerst in einen Behälter fließen und dann in den Main, wo es hingehört", sagt Fröhlich. Woher es stammt und wie viel tatsächlich unter dem Bau aus dem Jahr 830 steht, darüber gibt es nur Vermutungen: "Ein Teil könnte von der Quelle stammen, ein Teil vom Dach und vom Justinuskirchplatz", so Fröhlich. Womöglich seien Rohre verstopft, über die das Wasser direkt in den Main fließen solle.

Dass gerade der Hochchor nicht der stabilste Gebäudeteil ist, weiß man seit dem 16. Jahrhundert. Erbaut haben ihn die Antonitermönche ab 1441. Das Chorfundament setzte sich 1532 nach leichten Erdbeben. Bei der umfassenden Kirchensanierung um 1926 fielen die Schäden am Fundament auf. "Das war auf Eichenpfähle gegründet, die fast unverrottbar sind", weiß Fröhlich. Doch schon damals hatte Wasser sie faulen lassen. Seitdem stützt ein Betonfundament das karolingische Kleinod. Hoffentlich gut.

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