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Hochschulen in Hessen Online-Training für gestresste Studierende

Studierende mit Prüfungsangst in Hessen können ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen. Das Gratis-Angebot der Barmer können alle nutzen. Doch es stößt auf Vorbehalte.

Studierende in Hessen
Studierende in Hessen können ein Gratisprogramm der Krankenkasser Barmer nutzen. (Symbolbild) Foto: Michael Schick

Jeder sechste Studierende in Hessen leidet unter psychischen Störungen. Leistungs- und Zeitdruck, finanzielle Sorgen, Zukunftsängste machen mürbe. Die meisten suchen sich erst professionelle Hilfe, wenn gar nichts mehr geht, die Krankheit sich manifestiert hat.

Grund sind nicht alleine der Mangel an Therapieplätzen, sagt David Daniel Ebert, der an der Universität Erlangen Klinische Psychologie und Psychotherapie lehrt. Die meisten jungen Erwachsenen wollten selbst aus dem Loch herauskommen.

Unterstützung bietet das kostenlose Online-Angebot an, das er mitentwickelt hat und auf das rund ein Dutzend Universitäten ihre Studierenden bereits hinweisen, darunter Mainz. Die Kosten für das Präventionsprogramm trägt die Krankenkasse Barmer. Nutzen kann es jeder, also auch Nicht-Mitglieder.

Constanze Milbrad hat es dieser Tage entdeckt und bereits ein Widerstandstraining absolviert. Die Studentin der Fachhochschule Fulda hatte sich wegen ihrer Prüfungsangst an eine Psychotherapeutin gewandt – die der 22-Jährigen ein Online-Training empfahl.

Nicht unbedingt typisch. Bei vielen Ärzten und Therapeuten sind die Vorbehalte groß. „Manche haben Angst, dass sie von einem vollautomatischen Roboter ersetzt werden“, sagt Ebert. Die sei unberechtigt. Bei einer Online-Therapie kommuniziere auch ein Fachmann aus Fleisch und Blut mit dem Patienten. Nur nicht am selben Ort und zur selben Zeit wie dieser.

Die Barmer versteht das Online-Angebote nicht als Kostensparprogramm, versichert Martin Till von der Landesgeschäftsstelle am Dienstag in Frankfurt. „Das ist eine Ergänzung“, sagt er. Ein „niederschwelliges Angebot“ für jene Menschen, die im Alltag viel im Netz unterwegs sind oder für die der Weg zum nächsten Therapeuten zu weit ist. Oder aus gesundheitlichen Gründen unmöglich – etwa bei Phobien.

Wie aus dem Barmer-Arztreport mit dem Schwerpunkt junge Erwachsene hervorgeht, sind bei dieser Altersgruppe psychische Krankheiten weiter auf dem Vormarsch. Jeder Vierte der 18- bis 25-Jährigen war demnach im Jahr 2016 betroffen. 17 400 bekamen mindestens einmal Depressiva verordnet.

Und das sei nur „die Spitze des Eisbergs“, sagt Ebert. Weniger als die Hälfte der Betroffenen wende sich an einen Arzt oder Therapeuten. „Teils aus Scham, der häufigste Grund ist allerdings, dass viele ihre Probleme schlicht selbst lösen wollen.“ Studien zufolge könnten Internet- und App-basierte Therapien genauso große Effekte erreichen, wie eine klassische Psychotherapie „Face-to-Face“. Zugleich warnt er vor Wildwuchs in der wachsenden E-Health-Branche. Es gebe auch Schwarze Schafe, die unwissenschaftlich arbeiten. Das Problem sei, dass sie für Betroffene nur schwer zu identifizieren sind: „Bisher fehlen einheitliche Qualitätskriterien.“

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