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Hochschule Platzmangel an der Mainzer Uni

Die Mainzer Uni ist eine Hochschule der kurzen Wege. Der Campuscharakter verleiht ihr ein besonderes Flair, Platzprobleme sind aber offensichtlich.

Johannes Gutenberg-Universität
Im Hörsaal RWI sitzen die Studenten eng beieinander. Steckdosen für Handys oder Laptops gibt es nicht. Foto: Michael Schick

Schlange stehen in der Mensa, Gedrängel vor den Seminarräumen, Suche nach einem freien Platz in der Bibliothek – jetzt ist die ruhige vorlesungsfreie Zeit auch auf dem Campus der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität (JGU) für einige Monate erst einmal wieder vorbei. Felix Klante hat gerade noch rechtzeitig seine letzte Hausarbeit für das vorige Semester abgegeben. Der 26-jährige Wolfsburger studiert seit 2011 in Mainz – Deutsch und Geografie auf Lehramt. Er habe über Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ geschrieben, berichtet der Masterstudent. Thema war die Gewaltmotivation in der Orilus-und-Jeschute-Episode. „Das war ganz schön stressig.“ Dann genehmigte er sich noch etwas Urlaub, bevor für ihn das Wintersemester Ende Oktober beginnt.

Einige Hörsäle hatten sich da schon längst gefüllt: Vom 9. Oktober an lief die Einführungswoche für Erstsemesterm damit begann für rund 6000 junge Menschen das Studium in Mainz. Die meisten von ihnen haben sich für die klassischen Studiengänge entschieden: Jura, Wirtschaftswissenschaften oder Medizin. Doch auch Nischenfächer wie Altorientalistik oder Turkologie können Studierende an der JGU belegen. Als Volluniversität vereint sie nahezu alle akademischen Disziplinen unter einem Dach.

Für die meisten Studierenden sind die Wege kurz: Ein Großteil der Institute befindet auf dem Campus sich nicht weit von Hauptbahnhof und Innenstadt entfernt, der mit Bus, Straßenbahn oder Fahrrad leicht zu erreichen.

Seit 2011 trägt Mainz den Titel „Stadt der Wissenschaft“. Gegründet wurde die Universität bereits 1477, nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Wiedereröffnung durch die französische Militärregierung – auf einem ehemaligen Kasernengelände, den heutigen Campus. Inzwischen gehört sie mit rund 33 000 Studenten aus 120 Nationen zu den größten deutschen Universitäten.

Die lange Geschichte zeigt sich auf dem Campus: Nicht alle Gebäude sind im besten Zustand. „Stellenweise herrscht Einsturzgefahr“, berichtet Stephan Weißbach vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta). Außerdem gebe es ein ungelöstes Platzproblem. „Einige Fachbereiche müssen in marode Häuser ausweichen, obwohl 2013 das Georg-Forster-Gebäude eigens für sie gebaut wurde“, sagt Weißbach. Der Grund: Das „GFG“ sei viel zu klein konzipiert worden. Die Bibliothek in dem Neubau platze nun aus allen Nähten – vor allem im Sommer. „Es ist die einzige Bibliothek, die klimatisiert und leicht zu erreichen ist“, sagt Weißbach.

Veraltete Hörsäle

Auch andere Gebäude seien zu klein oder veraltet. Viele Hörsäle entsprächen nicht mehr modernen Anforderungen. „Es fehlen Steckdosen für Laptops oder festinstallierte Kameras, die Vorlesungen aufzeichnen“, sagt der Asta-Sprecher. Als Campus-Universität seien immerhin die Wege zwischen Vorlesungen und Seminaren kurz. „Das ist einzigartig in Deutschland und sorgt für ein besonderes Flair.“

Neben Dom, Fastnacht und dem FSV Mainz 05 trägt die Johannes-Gutenberg-Universität entscheidend zum Selbstverständnis der Mainzer bei. In Stadtteilen wie der Neustadt bestimmen junge Menschen das Stadtbild. Aber die studentische Szene ist unter Druck: „Planke Nord“, „Gebaeude27“, „50Grad“ – Clubs und Bars schließen oder bangen um ihr Fortbestehen. Mitte September zogen Studenten deswegen durch die Stadt und demonstrierten gegen die „Kommerzialisierung und Reglementierung urbaner Freiräume“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Semesterstart

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